Krisenmanagement

Wir alle haben etwas verloren durch den Balkankrieg. Wer kennt sie nicht, die guten alten Zeiten, als die deutsche Familie abends am Kaminfeuer saß und der Vater den Amselfelder Rotwein öffnete? Erinnerungen an den Sommerurlaub in Jugoslawien kamen damals hoch. Und war er nicht sogar preiswert, der Nostalgietropfen mit dem praktischen Drehverschluß? Doch der Krieg ließ diese Quelle versiegen. Das Amselfeld, das Kosovo polje, ist Teil von Restjugoslawien, und seine Erzeugnisse unterliegen dem Wirtschaftsembargo der Vereinten Nationen. Ein Jammer, sagte sich der deutsche Importeur und sann auf Abhilfe. Sein Trick: Er führt den Rotwein aus Spanien ein. Auf die Flasche kommt das altbekannte Etikett mit einer kleinen Veränderung: Der Wein heißt nicht Amselfelder, sondern „Amselkeller“. In Zeitungsanzeigen lobt der Importeur die eigene Findigkeit: „Ein gutes Beispiel dafür, wie man Krisen auf zeitgemäße Weise löst.“

Know how

Rußland ist teuer geworden. Wer nur vom monatlichen Gehalt lebt, hat nichts vom Leben. Das müssen gerade Staatsbedienstete schmerzlich erfahren, wenn sie aus der überfüllten Metro kommen und ihnen junge Geschäftsleute im Sportwagen fast über die Füße fahren. Nebenverdienste sind gefragt, vor allem in harter Währung. So bieten russische Beamte und Politiker aus Moskau ihre Dienste im Westen an. Über eine westdeutsche Handelsfirma offerierte ein russisches Regierungsmitglied der ZEIT sein Hintergrundwissen gegen Bezahlung. Wir lehnten ab. Wofür hat die ZEIT einen Moskauer Korrespondenten? Doch ein Abnehmer für den russischen Export wird sich sicher finden.

Gratulation

Immer schneller verflüchtigen sich die Erinnerungen an die Akteure aus den Anfängen der Bundesrepublik. Und um so mehr gilt das für diejenigen, deren Gewerbe dem Tag verschrieben ist, für die Journalisten. Wo auch sie Paten der jungen Republik waren, sind ihre Zeilen längst vergilbt. Einer von ihnen ist Dr. Robert Strobel, Bonner Korrespondent der ZEIT vom Beginn der fünfziger bis weit in die sechziger Jahre hinein. Wie viele Berichte, Kommentare und interne Informationen hat er damals geschickt, geschärft durch österreichische Hintergründigkeit? Er war ein engagierter Zeitzeuge mit distanziertem Urteil – und ist es, wenn auch zurückgezogen, heute noch. Einen Dank und Glückwunsch zu seinem 95. Geburtstag, den er am 24. März begeht.