In der Münchner BMW-Zentrale nimmt man die Umfrage "als weiteren kleinen Erfolg mit verhaltener Freude zur Kenntnis"; Daimler-Benz hält sie aufgrund der geringen Zahl der Befragten "nicht für so aussagekräftig".

Des einen Freud, des anderen Leid: Axel Westerwelle, Doktorand der Betriebswirtschaft in Nürnberg, hat die Teilnehmer des Euromanagers-Forum in Brüssel gefragt, welche Unternehmen sie am meisten anziehen. Rund die Hälfte, 267, haben seine umfangreichen Fragebögen ausgefüllt.

Auf der Brüsseler Beziehungs- und Bewerbungsmesse treffen sich ausgewählte europäische Jungakademiker, im Neudeutsch der Personalberatungsbranche sogenannte high potentials, mit Vertretern zugkräftiger Unternehmen. So ist die Zahl der Befragten zwar klein, doch die Nachwuchstalente sind zu Hause an der Universität oft die Meinungsführer.

Bei aller gebotenen Vorsicht im Umgang mit derartigen Meinungsumfragen fällt auf: Zwei internationale Markenartikel-Konzerne liegen vor den renommiertesten Beratungsfirmen, die neben einigen Investmentbanken in den vergangenen Jahren bei ambitionierten Managertalenten die größte Euphorie auslösten.

Christel Karesch vom deutschen Ableger der Procter & Gamble-Gruppe sieht die wachsende Erkenntnis an den Universitäten, daß "Berufsanfängern in Beratungsfirmen mitunter die soziale Kompetenz fehlt, um große, komplexe Unternehmen zu beraten". Back to basics also, zur Ausbildung in einem produzierenden Unternehmen? Trotz allem sind vier der attraktivsten zehn Unternehmen im Consulting tätig.

Immerhin sagt auch Axel Klopprogge von Daimler-Benz, die Elite-Studenten auf dem Brüsseler Forum seien realistischer geworden: "In den vergangenen Jahren meinten sie, die Firmen müßten ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen. Jetzt merken sie, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen." In der Rezession ist die Auswahl an verlockenden Jobs eben kleiner; Firmen wie Procter & Gamble, die unvermindert einstellen, erhalten dann einen besonderen Bonus.

Uwe Jean Heuser