Von Reto U. Schneider

Das Abenteuer beginnt auf einer Personenwaage. Jeder Passagier muß dort sein Gewicht preisgeben. Da führt kein Weg vorbei. Die Eitelkeit muß sich vor dem physikalischen Gesetz des Auftriebs beugen. „Ist das U-Boot zu leicht, geht es nicht runter“, erklärt Jacques Piccard das Ritual, „ist es zu schwer, geht es zwar runter, aber... Nein, nein, rauf kommt es immer, wenn das Boot jedoch nicht genau austariert ist, brauchen wir mehr Luft als nötig, um aufzusteigen.“ Der 71jährige Tiefseeforscher muß es wissen, schließlich hat er die F.A.-Forel vor vierzehn Jahren selbst gebaut.

Das U-Boot gehört der Stiftung zur Erforschung und zum Schutz der Meere und Seen, die Piccard 1966 ins Leben gerufen hat. Doch für ihre ehrenwerten Ziele gibt es in Zeiten der Rezession kein Geld. Damit der Kontostand der Stiftung wieder steigt, sinkt das U-Boot seit Anfang dieses Jahres mit zahlenden Passagieren in den Genfer See. 350 Franken kostet es pro Person, eine knappe Stunde hundert Meter unter der Wasseroberfläche zu verbringen.

Die Tauchfahrt hat den Geschmack eines wissenschaftlichen Abenteuers, denn das etwas über sieben Meter lange und zwei Millionen Franken teure Forschungs-U-Boot wurde eigentlich nicht für Vergnügungsfahrten gebaut. In der F.A.-Forel finden bloß drei Personen Platz. Die beiden zahlenden Passagiere sitzen zwischen Echolot, Kompaßkonsole und Ultraschalltelephon Schulter an Schulter mit dem Chefpiloten der Stiftung, Roger Thiebaud.

Sein Schiffsführerschein ist auf die Kategorie E – Schiffe besonderer Bauart – ausgestellt. Als er ihn vor zehn Jahren erwerben wollte, war in der Schweiz kein Experte aufzutreiben, der ihn hätte prüfen können. Der Beamte, der schließlich das Examen abnahm, sah zum Zeitpunkt der Prüfung zum ersten Mal ein U-Boot von innen. Bei Piccard selbst ließen die Behörden Gnade vor Recht walten und schenkten ihm den Führerschein: Es wäre wohl etwas peinlich gewesen, einen U-Boot-Konstrukteur, den jeder Brockhaus als legendären Ozeanographen ausweist, von einem Experten für Segelschiffe prüfen zu lassen.

Wen wundert’s, daß in einem Land wie der Schweiz auch die Versicherungsgesellschaften nicht unbedingt auf Unterwasserfahrzeuge spezialisiert sind. So beeinhaltet die Police der F.A.-Forel einen Abschnitt, der das Wasserskifahren hinter dem U-Boot verbietet...

Wie war das noch mal? „Die Luft reicht für mindestens drei Tage, überdies sind sogar Lebensmittel an Bord.“ Der Hinweis war eigentlich als Beruhigung gedacht. Die Luke wird geschlossen.