Von Bernhard Borgeest und Udo Perina

Darauf hatten viele gewartet: Da kommt ein Alter und zeigt den Jungen mal, wo’s langgeht. Mario Adorf als der große Bellheim. Ein längst pensionierter Kaufhaus-Direktor zieht den Karren aus dem Dreck, in den ihn eine Generation skrupelloser Manager gestoßen hat. Herz statt Berechnung. Kenntnisreichtum statt coolness. Und die Alten haben wieder eine Aufgabe.

Der Anklang, den das Fernsehmärchen im Januar dieses Jahres fand, zeigt, wie groß die Sehnsucht ist. Danach, daß unsere Gesellschaft das Potential ihrer älteren Mitglieder, die Ressource Erfahrung, nicht einfach brachliegen läßt.

Deutschland vergreist – aber niemand scheint vorbereitet zu sein auf den gewaltigen demographischen Wandel, der sich gegenwärtig vollzieht. Bereits in dreißig Jahren wird fast ein Drittel der Bundesbürger über Sechzig sein, die Alterspyramide auf dem Kopf stehen. Immer mehr Menschen werden immer älter. Aber was tun mit dem neuen, dritten Lebensabschnitt, der ihnen zuwächst? Wohin mit den geschenkten Jahren?

Noch vor einem Jahrhundert war Altwerden Glückssache. Die mittlere Lebenserwartung betrug 45 Jahre. Nun gibt es in den Industriestaaten dank des hygienischen und medizinischen Fortschritts fast schon eine Garantie aufs lange Leben. Mit 75 Jahren kann rechnen, wer heute geboren wird. Hat er erst einmal die Sechzig erreicht, stehen ihm statistisch sogar achtzig Jahre zu.

Insbesondere der Anteil der Hochbetagten steigt stark. 1965 gratulierte Bundespräsident Heinrich Lübke gerade mal 224 Bundesbürgern, die älter als hundert waren, zum Geburtstag. Richard von Weizsäcker mußte 1990 bereits 3014 Glückwunschbriefe unterschreiben. Auf seinen Nachfolger warten im Jahr 2000 allein in den alten Bundesländern mehr als 10 000 Jubilare.

Doch anstatt die veränderte Lebensperspektive, den um Jahrzehnte erweiterten Horizont der meisten Menschen zu berücksichtigen und zu nutzen, weist unsere Gesellschaft ihren Alten immer früher einen Platz hinterm Ofen zu. Die „Frühverrentung“ entwickelte sich zum wichtigsten Instrument der Beschäftigungspolitik. Allein in der ehemaligen DDR wurden über eine Million Menschen zwangsvergreist, um das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Darunter Hunderttausende im jungen Alter von 50 bis 54 Jahren.