Die Rentnerorganisation der Vereinigten Staaten hat sich zur mächtigsten Altenlobby der Welt entwickelt

Von Bernhard Borgeest

Die Zentrale der grauen Eminenzen steht in der E Street, Ecke sechste Straße, Washington D.C. Eine strategisch günstige Position – genau zwischen dem Kongreßgebäude und dem Weißen Haus. Hier, auf halbem Wege zu Volksvertretern und Präsident, wird heimlich mitregiert. „Die Politiker rufen uns an. Und nicht wir die Politiker“, behauptet Eminenzen-Funktionär John Rother.

Das Selbstbewußtsein des bärtigen Hünen kommt nicht von ungefähr. Er vertritt eine Organisation mit 35 Millionen Mitgliedern: Die American Association of Retired Persons, kurz AARP – die Rentner-Vereinigung der USA.

Während die Alten in Europa sich allenfalls in Hinterzimmern formieren, die Grauen bei Wahlen höchstens Zehntelprozente erreichen, bauten Amerikas Alte eine Lobby auf, die Senatoren und Abgeordnete das Fürchten gelehrt hat.

„Die AARP entwickelt sich zur gefährlichsten Pressure-group der Vereinigten Staaten“, warnt Charles Peters, Chefredakteur der politischen Zeitschrift The Washington Monthly. „AARP ist stark wie ein Gorilla“, stöhnt das republikanische Kongreßmitglied Hal Daub. „Wir sind eine Klasse für uns“, sagt AARP-Funktionär Martin Sicker.

Die Rentner-Vereinigung erkämpfte die Abschaffung der Pensionsgrenze, machte sich stark für die medizinische Versorgung alter Menschen und fädelte die Rentenreform ein. Rund ein Drittel des US-Regierungshaushalts fließt mittlerweile den Senioren zu. In einem Staat, dem Wohlfahrt fremd ist, helfen sich die Alten selbst.