Berlin

Die Verteilung der Hauptstadtfunktionen auf Berlin – wer amtiert und residiert wo? – erfordert Sensibilität. Der Gedanke, das Außenministerium auf den Platz des Palastes der Republik zu stellen, auf dem früher das Berliner Stadtschloß stand, war nur dumm. Nun sollen aber gleich mehrere Ministerien auf dem Marx-Engels-Platz und dem angrenzenden Areal gesetzt werden. Also müssen der Palast der Republik und das Staatsratsgebäude weg. Das ist nun beschlossene Sache.

Auch die Standorte der übrigen Ministerien wurden in dieser Woche vom Ausschuß Bund-Berlin bestimmt – allerdings ziemlich vage.

Viele der ehemaligen DDR-Bürger verbinden mit dem Palast der Republik, der ja ebenfalls ein öffentliches Kulturzentrum war, auch positive Erinnerungen; aber der Abriß ist wohl unvermeidlich. Die notwendige Asbestsanierung hätte ohnehin nur das Gerippe übriggelassen.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker will seinen Amtssitz nun im Schloß Bellevue behalten. Eine späte Einsicht, bislang wollte er nicht den „Frühstücksdirektor in Berlin“ abgeben. Er hat erkannt, daß das Kronprinzenpalais Unter den Linden und das angrenzende ehemalige DDR-Außenministerium mehr Probleme schafft als löst. Die ärgerliche Bonner Debatte über eine Verzögerung des Hauptstadtumzugs mag ihm dazu den letzten Anstoß gegeben haben.

Weizsäcker will um die Jahreswende hauptsächlich in Berlin amtieren – und privat wohnen. Mit dieser Entscheidung will er vor allem seinen Nachfolger festlegen. Diese Lösung lag eigentlich auf der Hand. Sie ist weit billiger und schneller zu verwirklichen. Platz für einen Neubau für die 150 Bediensteten des Bundespräsidialamtes ist auch: links vom Schloß, was den Tiergarten anknabbern würde, oder rechts, auf dem gegenüberliegenden Spreeufer, was womöglich die Sperrung der Uferwege zur Folge hätte. Umsonst ist eben nichts.

Das Schloß Bellevue wurde 1785 für Ferdinand von Preußen, den jüngsten Bruder Friedrichs des Großen, von Philipp Daniel Bouman erbaut. Im Krieg wurde es zerstört. Der Präsidentensitz ist also eine Replik wie andere Baudenkmäler auch, deren Rekonstruktion heute niemanden reut. 1987 wurde das Schloß noch einmal aufgemöbelt; es enthält mehrere große Säle, kleine Empfangs- und Besprechungszimmer, Gästezimmer und Wirtschaftsräume. Umbauten sind nicht mehr nötig.