Von Elisabeth Wehrmann

Welcher Student träumt nicht davon: vom Luxusstudium mit ganz persönlicher Betreuung, mit Stipendien, Reisekosten, Tagegeldern und den richtigen Verbindungen für die Zeit danach. Eine Reihe amerikanischer Studenten kann solche Wünsche inzwischen verwirklichen – dank Helmut Kohl, der deutsch-amerikanischen Freundschaft und des deutschen Steuerzahlers.

Die Bundesregierung hat ihm 45 Millionen Mark aus der Tasche geholt und an den amerikanischen Elitehochschulen Georgetown, Berkeley und Harvard im Herbst 1990 drei neue deutsche Stiftungen eröffnet. Ihr Name: Centers of Excellence. Ihr offizieller Auftrag für die nächsten zehn Jahre: "in der nachfolgenden Generation das Bewußtsein der lebenswichtigen Bedeutung und der Wichtigkeit der engen Freundschaft zwischen den USA und Europa und insbesondere der Bundesrepublik Deutschland zu fördern". Amerikanische Professoren, sichtlich beeindruckt von der "tiefen Verbundenheit", die der Bundeskanzler demonstrierte, wissen auch die materiellen Aspekte der Freundschaft zu würdigen: "Die deutschen Millionen sind der absolute Lichtblick in einer Zeit, in der die amerikanischen Universitäten die schlimmste Budgetkrise seit der großen Depression erleben", erklärt Professor Erik Rentschler von der kalifornischen Universität Irvine.

Der Mann, der dafür sorgte, daß die Professoren glücklich wurden, ist der Historiker und Politologe Werner Weidenfeld. Seit er, ein Freund des Kanzlers aus Mainzer Tagen, 1987 "Koordinator für die deutsch-amerikanische zwischengesellschaftliche kultur- und informationspolitische Zusammenarbeit" wurde, stellt er sich die Frage: "Wie ist das nächste Kapitel der deutsch-amerikanischen Erfolgsgeschichte zu schreiben?"

Die Atlantikbrücke, fand er, müsse nach dem Ende des Kalten Krieges durch einen neuen Pfeiler gestützt und um "die geistige Dimension" erweitert werden. Zwar, räumt Weidenfeld ein, wird der gesamte Kulturaustausch mit Amerika derzeit schon mit 250 Millionen Mark jährlich aus den öffentlichen Haushalten gefördert. Die gleiche Summe legen politische Stiftungen und die deutsche Wirtschaft noch einmal dazu. Was dennoch fehlt, sei der Zugang zur jungen Elite. Es gehe darum, "die Schlüsselfiguren der amerikanischen Gesellschaft, die Architekten der Selbstwahrnehmung Amerikas in neuer Weise an Deutschland zu binden". Das Thema beflügelt ihn so sehr, daß es ihm sichtlich schwer fällt, seine Politrhetorik noch im Zaume zu halten. Er ist stolz auf sein Werk. Aber ist der Stolz auch berechtigt?

Im vornehmen Georgetown, an der 1789 gegründeten privaten Hochschule der Hauptstadt Washington, leben und lernen etwa 4000 Studenten. Mit Hilfe der deutschen Stiftung wurde ein neuer interdisziplinärer Studiengang geschaffen, der in zwei beziehungsweise drei Jahren Spezialisten in Deutschland- und Europastudien heranbildet. "Die Ausbildung im Bereich Deutschlandstudien war seit Jahren rückläufig, weil kein Geld da war", erklärt der Studiendirektor des Zentrums, Professor Flynn, "jetzt, wo das Geld da ist, können wir zeigen, daß es auch eine Nachfrage gibt. Und wir wählen nur die Besten aus."

Für den ersten Jahrgang wurden sechzehn graduierte und "hochqualifizierte" Kandidaten angenommen. Wenn die Aufbauphase abgeschlossen ist, werden sich maximal vierzig Studenten in einem Zweijahresprogramm in der Fächerkombination Geschichte, Volkswirtschaft, internationale Beziehungen, deutsche Sprache und Literatur sowie Regierungslehre auf den "MA in German and European Studies" vorbereiten. Wer will, kann sich im dritten Jahr in einem der Fächer spezialisieren und promovieren. In den Semesterferien stehen Reisen nach Deutschland auf dem Programm. Das Zentrum hilft gern, wenn ein Student beispielsweise ein Praktikum im Büro von Kurt Biedenkopf machen will. Auch bei wissenschaftlichen Konferenzen vor Ort dürfen die Studenten mitarbeiten: "Wir hatten im Oktober 1991 eine Konferenz mit der (BMW-nahen) Quandt-Stiftung zum Thema ‚Die USA, Europa und die neue Weltordnung‘", erläutert Studiendirektor Flynn, "und unsere Studenten waren die Stars, sie zeigten eine Art von Reife, die Dreiundzwanzigjährige in Deutschland nicht haben."