Leggewie macht die antiautoritäre Erziehung dafür verantwortlich, daß .manche Jugendliche zur Gewalt greifen. Wie erklärt er sich dann aber den Umstand, daß die ausländerfeindlichen Exzesse vor allem von ostdeutschen Jugendlichen ausgehen, denen ja von früher Kindheit an ständig Grenzen gezogen und falsche Vorbilder aufgedrängt wurden? Und wie kommt er auf den merkwürdigen Gedanken, daß der Drang nach Unterordnung und Gehorsam, wie er in rechtsradikalen Kreisen virulent ist, ausgerechnet von der antiautoritären Erziehung herrührt?

Wenn er pauschal für mehr Autorität plädiert, sollte er bedenken, daß sowohl die Heckenschützen des SED-Regimes als auch die KZ-Wächter der braunen Diktatur eine autoritäre Erziehung genossen haben. Bevor er eine Rückkehr zu den alten Werten fordert, sollte er die politischen Folgen abwägen. Joachim Jung, Wien

*

Folgt man Leggewie, so müßten Asylbewerberheime überwiegend von Kindern der Antiautoritären überfallen werden und beifallklatschende Eltern und Nachbarn Alt-68er sein.

Ist aber wohl nicht so. Eher scheinen jene mutlos-gleichgültigen Eltern und Erzieher, von denen Leggewie spricht, auf der neokonservativen Welle von Konsumidiotie und Heile-Welt-Phantasien zu reiten (und zwar in den alten und neuen Bundesländern).

Die Leute haben nicht „genug“ vom Unernst ihrer Alten, sondern wollen mehr davon: mehr Entertainment und viel Spaß! Das sollten Sozialwissenschaftler einmal ernst nehmen, anstatt die immerhin größtenteils wahlberechtigten jungen Menschen erstens zu Kids und zweitens zu Sozialfällen zu erklären. Margarete Böhm, Berlin

*