Von Rainer Schauer

Die stalinistischen Massenmörder und kommunistischen Diktatoren, die proletarischen Revolutionäre und einstigen Rotfrontkämpfer nennt der 63jährige fast liebevoll „die alten Genossen aus dem Osten“. Ihnen will er im Freistaat Bayern als „freier Unternehmer Asyl gewähren und ein guter Gastgeber sein“. Und niemand, niemand werde ihn daran hindern können.

Josef Kurz, der CSU nahestehender Natursteinfabrikant und Steinmetz im bayerisch-schwäbischen Gundelfingen an der Brenz, ist ohne Arg. So scheint es. Er, „ein unpolitischer Mensch“, hat sich nur in den Kopf gesetzt, auf seinem Betriebsgelände am Rande des 7000-Seelen-Städtchens einen „Asylpark“ zu errichten, in dem die geschleiften Denkmäler der toten Politprominenz aus dem einstigen Herrschaftsbereich des Kommunismus und real existierenden Sozialismus eine neue Heimat finden sollen. Willkommen im historischen Entsorgungspark an der Brenz ist selbstverständlich auch die deutsche Wertarbeit ehemaliger DDR-Bildhauer, deren tonnenschwere und meterhohe Werke inzwischen zum Gegenstand kontroverser Diskussionen unter deutschen Intellektuellen geworden sind: stürzen oder stehenlassen?

In gradliniger Logik hat der Steinmetz und Unternehmer aus Gundelfingen die Auseinandersetzung für sich so entschieden: „Die Denkmäler der alten Potentaten aus dem Osten sind kulturhistorisch wertvolle Reliquien und Dokumente der Zeitgeschichte und deswegen erhaltenswert.“ Diese Idee von einem spektakulären und für Besucher attraktiven Skulpturengarten oder historischen Lehrpfad flüsterte Kurz auf einer Geschäftsreise ein tschechischer Künstler in Ryma-řov ein, wo die böhmischen Bürger ihren steinernen Stalin loswerden wollten. Kaufmann Kurz war begeistert, und der Stalin gehörte ihm. Der „Asylpark“, davon ist Josef Kurz überzeugt, wird Gundelfingen weltweit bekannt machen und einen ungeahnten touristischen Boom auslösen.

„Alle“, prophezeit Josef Kurz, „werden überfordert sein“: die Gastwirte, die Caféhausbesitzer, der Einzelhandel, all die Kleinmütigen in der schwäbischen Kleinstadt, welche die Vision des kleinen Mannes mit den großen Ideen nicht teilen wollen – wenn erst einmal die Touristenströme über Gundelfingen zusammenschlagen. Allein der Fernradwanderweg „Städte an der Donau“, der direkt am Kurzschen Betriebsgelände vorbeiführt, wird Tausende von Radtouristen auf den „Asylpark“ und damit auf Gundelfingen aufmerksam machen. Und wer schaut, der rastet auch und kehrt ein. Davon ist Josef Kurz felsenfest überzeugt.

Eine touristische Industrie könnte sich entwickeln, die T-Shirts mit Leninportraits, Schlüsselanhänger mit Stalinkopf, Bierkrüge mit Maosprüchen oder Titobüsten aus Marmorstein produziert. „Nein“, sagt Unternehmer Kurz, „ich verfolge mit dem ,Asylpark‘ keine kommerziellen Interessen.“ Bis heute habe der ihn nur Geld gekostet.

Deswegen hat Josef Kurz jetzt an den bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair einen höflichen Brief geschrieben, in dem er um finanzielle Unterstützung für sein „weltweit beachtetes“ Vorhaben bittet. Dieses werde wie ein Magnet auf Fremde wirken, und damit unbestreitbar der heimischen Gastronomie und dem bodenständigen Beherbergungsgewerbe zugute kommen. Das Historische Museum in Berlin erhielt einen ähnlichen Bittbrief aus der bayerischen Provinz, wo Possen schon immer einen guten Nährboden fanden. Diese Unterstellung allerdings würde Josef Kurz beleidigen.