In Zeiten akuter Wohnungsnot und sinkender Zinsen stellt sich mancher Mieter die Frage, ob es sich nicht auch für ihn rechnet, eigene vier Wände anzuschaffen. Bei Mieten, die in Ballungsräumen in den letzten fünf Jahren um 64 Prozent stiegen und inzwischen nicht selten über 25 Mark pro Quadratmeter im Monat liegen, wird die Antwort darauf mehr und mehr zu einer Rechenaufgabe mit drei Variablen.

Die erste Variable stellen die Anschaffungskosten einer Immobilie dar. Die Preise für Einfamilienhäuser stiegen in den vergangenen fünf Jahren in den Ballungsräumen der Bundesrepublik um insgesamt 39 Prozent. Für Eigentumswohnungen mußte man im gleichen Zeitraum schon beachtliche 56 Prozent Preissteigerung akzeptieren. Lediglich im Westen der Bundesrepublik und im ländlichen Bereich stiegen im Vergleichszeitraum die Erwerbskosten für Häuser um bescheidenere 15 und Wohnungen um 18 Prozent. Im Vergleich zu den viel höheren Steigerungsraten bei den Wohnungsmieten ist bei den Kaufpreisen also noch mit erheblichem Preissteigerungspotential zu rechnen.

Zweite Unbekannte sind die Zinskosten. Nach Sätzen bis zu 16,5 Prozent für Bauzwischenfinanzierungen und um die 11 Prozent für Hypothekendarlehen im Februar 1982, die danach bis Anfang 1988 auf etwa 6 Prozent fielen, stiegen die Zinsen für Häuslebauer und -käufer im Hypothekenbereich beständig wieder bis auf 10,5 Prozent im Herbst 1992 an. Derzeit befinden sich die Effektivzinsen in einem stetigen Abwärtstrend und haben innerhalb von weniger als einem halben Jahr mit unter 8 Prozent bereits fast wieder das langjährige Mittel von circa 7,5 Prozent erreicht.

Als dritte Variable in der Rechnung eines zukünftigen Bauherrn oder Käufers stellt sich zunehmend die Frage nach den Steuervorteilen. Auch nach der Abänderung des Paragraphen 7 b und der Einführung des Paragraphen 10 e Einkommensteuergesetz für Bauherren und Wohnungskäufer werden wegen der chronisch leeren Staatskasse immer wieder Überlegungen laut, die steuerlichen Vorteile für die Eigenheimerwerber zurückzufahren. Allerdings wurden die jüngsten Änderungsvorschläge zur Einsparung in diesem Bereich erst einmal wieder verworfen. Der Paragraph 10 e gilt also weiter und bringt beispielsweise einer Familie mit zwei Kindern Jahr für Jahr je nach Kauf- oder Baupreis bis zu 8000 Mark bares Geld pro Jahr in den ersten vier Jahren und bis zu 7000 Mark auf weitere vier Jahre bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 110 000 Mark.

Natürlich gilt nach wie vor, daß ein hoher Eigengeldanteil bei der Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie von Vorteil und bei der Beschaffung von Fremdmitteln sehr hilfreich ist.

Als Geldgeber kommen in erster Linie Banken in Frage. Dabei unterscheidet man zwischen Geschäfts- und Hypothekenbanken. Letztere sind meistens Tochtergesellschaften der Geschäftsbanken. Das ermöglicht für den Kunden meist eine abgestimmte Gesamtfinanzierung aus einer Hand.

Im Gegensatz zu den Geschäftsbanken beleihen Hypothekenbanken Immobilien nur bis zu vierzig oder bestenfalls sechzig Prozent des Verkehrswertes zu den veröffentlichten Standardsätzen.