Durch Sumpf und Dickicht: Knaben kämpfen im Hullerholz

Von Bartholomäus Grill

Wißt ihr noch? Die Gefechte von 68? Seufz. Der Autor erinnert sich noch ganz genau. Schließlich war er Oberkommandierender, damals, beim Gefecht im Hullerholz.

Eine bittere Niederlage war das. Denn unser Lager, das Tannenzapfen-Fort auf der Wetterstetter Höh’, galt als uneinnehmbar – und wurde am Ende doch fürchterlich geschleift. Aber eins nach dem andern.

Dreifach war die Feste gesichert. Erst kamen Palisaden aus Eichenpflöcken, die wir dem Lederl-Bauern stibitzt hatten; den zweiten Wall lieferte die Himbeere: Dornengestrüpp, dicht wie Nato-Drahtverhau; schließlich hatten wir zwischen mächtigen Fichtenstämmen Fallgruben ausgeschaufelt und mit Buchenästen getarnt. Hier oben auf dem Berg konnten wir die Bewegungen des Feindes vorzüglich studieren. Aber schon beim Aufmarsch zeigte sich: Die alliierten Lamsöder-Truppen waren hoffnungslos in der Überzahl.

So nahm also das Verhängnis seinen Lauf. Die erste Attacke ließ sich noch mit schwerem Geschütz abfangen: Birkenrundlinge und Wurzelstrünke donnerten den Berg hinunter und verbreiteten Furcht und Schrecken in des Gegners Reihen. Doch die Angreifer teilten sich und rückten zangenartig und so flink vor, daß wir unsere leichte Artillerie – Steinschleuder, Speer, Pfeil und Bogen sowie Blasrohr – nicht mehr einsetzen konnten.

Sie umgingen geschickt die Fallgruben und durchschlugen die Himbeerlinie. Lamsöd ante portas!