... Paul Kennedy: In Vorbereitung auf das 21. Jahrhundert (S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1993; 527 S., 48,– DM). Paul Kennedy, Historiker an der amerikanischen Yale-Universität, mit mir befreundet seit seiner Studienzeit in Oxford, als ich dort Gastprofessor war, hat mit seinem neuesten Werk den für einen Historiker ungewöhnlichen Schritt gewagt, Prognosen für die Zukunft zu stellen.

Ich habe mit Interesse Kennedys Weg von der Universität East Anglia in Norwich in die USA verfolgt und mit großer Anteilnahme die Reaktion der amerikanischen Öffentlichkeit auf sein Werk „Aufstieg und Fall der Großen Mächte“ (1989) miterlebt. Für den amerikanischen Optimismus war es ein unerträglicher Gedanke, daß ein Abstieg Amerikas von seiner weitbeherrschenden Rolle in Zukunft einmal möglich sei.

Mit einem den Globus umspannenden Blick und einer profunden Sachkenntnis über die ökonomischen Entwicklungen erfaßt Kennedy in seinem neuen Werk die bestimmenden, ja bestürzenden Trends der Gegenwart und der Zukunft wie die Bevölkerungszunahme und ihre Gefahren. In einem zweiten Teil lotet er die Voraussetzungen aus für den Aufstieg Japans zur ersten Industriemacht der Erde. Er untersucht die Gründe für Niedergang und Zusammenbruch der früheren UdSSR und die Überlebenschancen der GUS, erwägt die Zukunftsmöglichkeiten eines vereinigten Europas und sieht schließlich das „amerikanische Dilemma“ im Niedergang der Mittelklasse begründet.

Kennedy hofft, daß durch die Hilfe der Industriestaaten der allgemeine Lebensstandard angehoben und damit das Wachstum der Weltbevölkerung allmählich verlangsamt werden könne – als wichtigste Voraussetzung für ihren Fortbestand. Ich begegne hier einem ebenso informativen wie das Denken und Tun aufrüttelnden Buch, dem ich einen Weltweit positiven Widerhall wünsche.

Eine ausführliche Besprechung des Buches erscheint in der Literatur-Beilage der ZEIT Nr. 14 vom 2. April 1993.