Ist der Ruf erst ruiniert, kassiert es sich ganz ungeniert. Nicht nur die Autofahrer müssen künftig mehr blechen. Auch die Beiträge zur Rentenversicherung steigen im kommenden Jahr kräftig – quasi als Vorgeschmack auf den Solidarzuschlag, der dann von 1995 an fällig wird. Das trifft Arbeitgeber wie Arbeitnehmer hart. Die einen spüren es bei den Lohnnebenkosten, über deren Höhe sie ohnehin ständig klagen, die anderen beim Nettolohn. Für die flaue Konjunktur sind die Mehrkosten ebenfalls Gift.

Die Erhöhung bei der Rentenversicherung kommt jedoch nicht überraschend. Im Gegenteil: Sie ist die zwangsläufige Folge des leidigen Hütchenspiels, das die Bundesregierung seit zwei Jahren mit den Sozialversicherten und ihren Finanzen betreibt. Um Geld für die Arbeitslosenversicherung lockerzumachen, hat sie den Beitragssatz für die Alterssicherung zweimal gesenkt. Zuletzt lag er bei 17,5 Prozent, freilich ohne daß die Beitragszahler davon profitiert hätten. Der niedrige Satz war unmöglich über längere Zeit durchzuhalten. Der jetzt bevorstehende Sprung auf vermutlich über 19 Prozent war deshalb programmiert.

Grundsätzlich ist gegen höhere Abgaben nichts einzuwenden. Schließlich kommt das Geld vor allem den Arbeitslosen und Frührentnern in der früheren DDR zugute. Aber die Belastung könnte viel geringer sein, wenn sich alle Erwerbstätigen am Sozialtransfer in den Osten beteiligen würden. Doch nach wie vor müssen die Beitragszahler der Sozialversicherung eine wesentlich schwerere Bürde tragen als Beamte, Selbständige und andere Geldverdiener ohne Versicherungspflicht. Und durch die bevorstehende Beitragserhöhung wird diese Gerechtigkeitslücke deshalb noch größer.

Vor zwei Wochen hatten sich die mächtigsten Politiker des Landes zwar bei Bundeskanzler Helmut Kohl versammelt, um für mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der sozialen Kosten in Ostdeutschland zu sorgen. Doch Wohnungsmakler, Lehrer, Finanzbeamte und Rechtsanwälte haben offensichtlich eine bärenstarke Lobby. Der Vorschlag, auch sie über eine Arbeitsmarktabgabe am Sozialtransfer in den Osten zu beteiligen, war jedenfalls schnell vom Tisch. Eine Erhöhung der Beiträge für die Rentenversicherung ist offenbar der bequemere Weg. Auch wenn sich die Beitragszahler der Sozialversicherung inzwischen vorkommen müssen wie die Stiefkinder der Nation. Und zwar zu Recht. per