Die Botschaft schlug ein wie ein Hammer. Ende vergangener Woche verkündete die Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH in Stuttgart um Konzernchef Marcus Bierich ein rigoroses Personalkosten-Sparprogramm. Die traditionell bei den Schwaben besonders umfangreiche Liste an Zusatzleistungen – von der übertariflichen Schichtzulage bis zum Häuslebauerkredit – wird radikal zusammengestrichen. Leitende Angestellte sollen nach dem Vorbild der Geschäftsführung „freiwillig“ auf vereinbarte Gehaltserhöhungen verzichten, und – besonders brisant – die zum 1. April anstehende dreiprozentige tarifliche Lohnerhöhung soll mit „freiwilligen Entgeltzahlungen“ verrechnet werden.

Grund für den „hauseigenen Solidaritätspakt“, wie Unternehmenssprecher Frank-Ulrich Breitsprecher die Radikalkur nennt, sei das „bereits im zweiten Halbjahr 1992 in die roten ‚ Zahlen gerutschte interne Betriebsergebnis“. Besonders der Preisdruck der Automobilhersteller hatte den Schwaben, die fünfzig Prozent ihres 34-Milliarden-Mark-Umsatzes mit Kfz-Zulieferteilen machen, das Ergebnis verhagelt. Der angelaufene Personalabbau – 1991/92 fielen in der Bosch-Gruppe weltweit 19 000 Stellen weg – genüge nicht, um wettbewerbsfähige Kosten zu erreichen.

Doch die Betriebsräte mochten bei der Streichaktion, die „auf einen Schlag alle Errungenschaften der vergangenen dreißig Jahre wegfegt“, wie der Konzernbetriebsratsvorsitzende Ludwig Vogt sagt, nicht mitspielen. Bei allem Sparwillen war für die Betriebsräte die Kappung der Schichtzulagen und die Verrechnung der Tariferhöhung, die reale Einkommensverluste für die unteren Lohngruppen mit sich bringt, nicht verhandelbar.

Daraufhin entschloß sich die Geschäftsführung kurzerhand, „die Maßnahmen einseitig vorzunehmen“. Da war es auch mit der schwäbischen Gemütlichkeit bei den Bosch-Werkern vorbei. Schon am Freitag legten die Beschäftigten im Waiblinger Bosch-Werk kurzfristig die Arbeit nieder. Diese Woche folgten die Reutlinger Kollegen mit einer Protestaktion.

Zwar ist die Kürzung der übertariflichen Zuschläge nicht mitbestimmungspflichtig, und Betriebsvereinbarungen sind kündbar, doch das bisher so wohlgepflegte Betriebsklima ist nachhaltig gestört. Galt Bosch bisher eher als Vorbild für üppige Löhne und soziale Wohltaten, so befürchten Betriebsräte und IG Metall, daß das schwäbische Traditionsunternehmen jetzt den Vorreiter in umgekehrter Richtung spielen soll. Ein Schreiben des baden-württembergischen Metallarbeitgeberverbandes, so Betriebsrat Vogt, lasse dies vermuten.

Für die freien Aktionäre der Krupp Stahl AG gibt es ein böses Erwachen. Im Zuge der Fusion von Krupp Stahl und Hoesch Stahl bietet ihnen die Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp einen Umtausch ihrer Aktien in Aktien von Fried. Krupp an. Für je drei Stahl-Aktien soll es eine Aktie der Konzernholding geben, zusätzlich eine Barzahlung von 5,10 Mark je Stahl-Aktie.

Bei einem Kurs der Fried.-Krupp-Aktie von rund 115 Mark kassieren die freien Aktionäre einschließlich der Barzahlung also rund 130 Mark für drei Aktien – die kosteten am Freitag vergangener Woche allerdings zusammen noch 468 Mark. Nachdem der Börsenhandel am Montag ausgesetzt war, folgte am Dienstag prompt die Reaktion auf das Umtauschangebot: Der Kurs fiel auf 45 Mark.