Die Bilder von Walter Carone sind Bilder einer vergangenen Zeit. Brigitte Bardot tanzt auf einem Dach in Paris. Gérard Philipe wird für einen Film geschminkt. Audrey Hepburn und Gary Cooper machen Picknick am Ufer eines Sees. Anna Magnani besucht einen Ball. Fürst Rainier heiratet Grace Kelly, und Edith Piaf wird von ihrem Mann Jaques Pills auf den Händen getragen. Und während man sie sieht, werden nicht nur Erinnerungen wach an Stars und Legenden der fünfziger und frühen sechziger Jahre, sondern auch an die Fortsetzung der bekannten Geschichten: an den Tod von Edith Piaf und Grace Kelly zum Beispiel, an den Abschied von Legenden und das Ende einer Zeit, in der Stars wie Sterne leuchteten.

Als Mitarbeiter von Paris-Match war der 1920 geborene Walter Carone Teil der von ihm photographierten Welt und wurde, was seinen Photos deutlich abzulesen ist, eher als Vertrauter denn als Eindringling betrachtet. Das zeigt sich nicht nur im Blick seiner Protagonisten aus dem Film- und Showgeschäft, sondern auch in den Portraits von Künstlern wie Sartre, Cocteau, der Colette, Blaise Cendrars und Henri Matisse. Mit mehr als 150 Abbildungen gibt der von Serge Bramly zusammengestellte Band „Walter Carone/Photographe“ (Gina Kehayoff Verlag, München 1992; 160 S., 98,– DM) jetzt einen umfassenden Überblick über das Werk des 1982 gestorbenen Photographen, der hierzulande weitgehend unbekannt geblieben ist. Zwar wurden seine berühmt gewordenen Bilder von Kennedy und Chruschtschow, von Marilyn Monroe und der 1960 Mutter gewordenen Bardot auch von deutschen Magazinen nachgedruckt, doch verschwand sein Name hinter den Namen der von ihm Portraitierten.

Dabei beschränkte sich Walter Carone keineswegs auf die Wiedergabe der Welt der Prominenten und Mächtigen. Zwischen die Bilder von Glanz und Glamour schieben sich Photos von Demonstranten und streikenden Arbeitern, von Prostituierten und Obdachlosen. Und auch die Welt des schönen Scheins ist bei Carone nicht gänzlich ungebrochen. Ein 1950 vor dem Eiffelturm aufgenommenes Photomodell sieht man auf einem Photo von 1953 noch einmal als Mannequin: zusammengesunken, auf dem Teppich.

Raimund Hoghe