Die Ereignisse in Moskau haben den Anstieg der deutschen Aktienkurse zunächst einmal beendet. Der Deutsche Aktienindex (Dax), der in der Vorwoche noch oberhalb von 1700 operiert hatte, ging am Wochenbeginn um etwa fünfzig Punkte zurück. Daß dies bei geringen Umsätzen geschah, macht deutlich, daß von einer Panikstimmung keine Rede sein kann. Viele Börsianer sind daher der Meinung, die Vorgänge in Rußland hätten nur als Vorwand für längst fällige Gewinnmitnahmen gedient. Kritisch würde es erst werden, wenn es in Rußland tatsächlich zu bürgerkriegsartigen Zuständen käme.

Die Sorge, Ausländer würden sich wegen der Nähe Deutschlands zu Rußland zurückziehen, hat sich bisher als unbegründet erwiesen. Auch die Schwäche der Mark auf den Devisenmärkten ging rasch vorüber.

Die Auseinandersetzungen um den russischen Präsidenten Jelzin ließen die Bilanzpressekonferenzen großer Unternehmen an der Börse in den Hintergrund treten. Überraschungen hat es ohnehin nicht gegeben. Nach wie vor wird davon ausgegangen, daß 1993 die Unternehmensgewinne noch einmal sinken, danach aber wieder kräftig steigen werden. Solche Prognosen reichen indessen in der gegenwärtigen Lage nicht aus, um neue Mittel für die Aktienanlage zu mobilisieren.

Das wurde besonders deutlich, als bekannt wurde, daß die Allianz eine 950 Millionen Mark schwere Optionsanleihe auflegen will. Obgleich ihre Konditionen als angemessen gelten, geriet der Allianz-Aktienkurs unter Druck. Anleger trennten sich von den Aktien, um Liquidität für den Kauf entsprechender Optionsscheine freizubekommen.

Bemerkenswert ist die Stabilität des Kurses der VW-Aktien. Sie wird mit der Berufung des neuen Managers Ignacio Lopez begründet, dem man zutraut, Milliarden einsparen zu können. Als widerstandsfähig zeigte sich auch die Conti-Aktie. Angeblich steht eine Einigung zwischen Conti und Pirelli bevor. Pirelli soll bereit sein, sich von seinem Conti-Paket zu trennen. Aber noch ist kein Käufer in Sicht. Ähnliche Versuche im Frühjahr vergangenen Jahres waren gescheitert. Pirelli hatte die Conti-Aktien und entsprechende Optionen zu Preisen von mehr als 300 Mark übernommen, der gegenwärtige Kurs liegt bei knapp über 200 Mark. K. W.