Von Robert Leicht

Nicht jedes Bauernopfer rettet den König. Günther Jansen, der schleswig-holsteinische Sozialminister, ist nun zwar doch zurückgetreten – aber Björn Engholm, der Kanzleraspirant der Sozialdemokraten, noch lange nicht

Zwei Bewegungen haben die Sozialdemokraten am Dienstag dieser Woche neuerlich unter Druck gesetzt: Zum einen hat sich im Kieler Landtag der Untersuchungsausschuß konstitutiert, der die Geldtransfers zwischen Jansen und der mindestens doppeldeutigen Figur des Reiner Pfeiffer durchleuchten soll, die über die – wie man jetzt weiß – doppelt unehrliche Person des Engholm-Referenten Klaus Nilius abgewickelt wurden.

Zum anderen aber hat das wirre Taktieren Engholms und seiner Leute den Hamburger Anwalt Peter Schulz in ein so schiefes Licht gebracht, daß der frühere Erste Bürgermeister der Hansestadt sich um seiner anwaltlichen Ehre willen zur Wehr setzen mußte. (Schulz war 1987 zu einem Gespräch zwischen Jansen, Nilius und Pfeiffer zugezogen worden. Spätestens bei diesem Treffen, eine Woche vor der Landtagswahl, erfuhr die SPD-Spitze von den üblen Machenschaften der CDU.)

Engholm hatte bislang so getan, als habe Schulz nur ein Mandat von Jansen gehabt. Man greift sich an den Kopf: Wie konnte Engholm seinen Rechtsvertreter mit unzutreffenden Äußerungen zu dem öffentlichen Hinweis nötigen, es sei anders gewesen? Wenn aber Schulz auch als Anwalt Engholms an, der Unterhaltung mit Pfeiffer teilnahm, wie soll dann glaubwürdig sein, daß der damalige SPD-Spitzenkandidat von den gegen ihn gesponnenen Intrigen rein gar nichts erfahren hat? Und: Hat Jansens verspäteter, aber plötzlicher Rücktritt letztlich damit zu tun, daß man Schulz nicht weiter unter der Kuratel der Schweigepflicht halten und als "stummenZeugen" instrumentalisieren konnte?

Jansen hat das Schwerste hinter, Engholm das Schlimmste noch vor sich. Erst flögen die absonderlichen und konspirativ vollzogenen Zahlungen an Pfeiffer auf. Dann offenbarte sich Engholms Unfähigkeit, sich von Jansen und vor allem von Nilius klar zu trennen, den er nach 1987, nach der ersten sanften Verschickung in die Wüste, keinesfalls neuerlich hätte in der Staatskanzlei anstellen dürfen. Dann kam Nilius’ Eingeständnis mehrerer Lügen vor dem Untersuchungsausschuß 1987. Dazu fiel Engholm nur ein, der Mann habe "großen Mist gebaut", jetzt sagt er diesem Manne, der mehr wissen dürfte, als manchem lieb sein kann, auch noch Dank hinterher. Und schließlich ist Jansen doch nicht zu halten.

Der Bauer hat sich geopfert – doch jetzt steht der König vollends schutzlos da. Falls in der gesamten Affäre noch irgendein mißliches Detail zutage tritt – und sei es für sich genommen fast unerheblich –, wird es Engholm auch als Ministerpräsidenten treffen. Als Kanzlerkandidat hat er sich schon längst um jede Wirkung gebracht. erlöst.

Zum selben Thema siehe Seite 2