Von Ulrich Stock

Das Bild auf dieser Seite stammt aus aktuellem Anlaß aus Kassel; es hätte in fast jeder anderen deutschen Stadt gemacht werden können, dann hätten freilich die weißen Stangen mit den (in Wirklichkeit) roten Streifen gefehlt, und man hätte statt ihrer andere absurde Gebilde gesehen.

Das Bild zeigt Tannen, Jägerzaun, Asphalt. Doch Vorstadtbeschaulichkeit will nicht recht aufkommen, weil die Schraffur neben dem Bürgersteig gleich zu brüllen beginnt: BEFAHREN VERBOTEN! Und im Abstand weniger Meter lauern drohend Polizistenknüppel-Surrogate.

Nun sind aber gar keine Autos da. Die sozialdemokratische Kriegsbemalung der Straße gilt unfreiwillig allen. Sie bedrängt Spaziergänger, Radfahrer und Anlieger gleichermaßen; sie erzählt all jenen noch vom Kraftfahrzeugverkehr, die schon zuviel von ihm haben, die sich noch nie für ihn begeistern konnten oder sich längst gegen ihn entschieden.

Weniger sensible Zeitgenossen mag die Befehlsästhetik nicht stören; andere, die ihren Führerschein wegen Raserei verloren und daheim am Radio noch stündlich und voller Wehmut den Verkehrsfunk verfolgen, mögen vielleicht sogar masochistische Freude daran haben.

Aber den Bürgern von Kassel hat es gereicht. Sie sind die grellen Aufforderungen, die ihnen an jeder Ecke ins Gesicht schlagen, mehrheitlich leid. Sie haben einen Pollerkoller und haben ihn bei der Kommunalwahl durch Stimmentzug ausgelebt (SPD: minus 20,7 Prozent).

Endlich!