Frauen satt

Es war bekanntlich ein zähes Ringen, aber schließlich haben es die Eidgenossen geschafft, wieder – zum zweiten Mal schon! – eine Frau in der Regierung zu haben. Ruth Dreifuß heißt die neue Innenministerin, und nicht wenigen Weltblättern war sie eine Nachricht wert. Und nicht genug damit: Ein Photo der höchsten Eidgenosse mußte natürlich dazugestellt werden. So auch in der Berliner tageszeitung. Allein, die abgebildete Dame ist vielen Schweizern völlig fremd. Noch jedenfalls. Denn aus der taz blickte sie die kanadische Verteidigungsministerin Kim Campbell an; sie ist die Favoritin für die Nachfolge von Premierminister Brian Mulroney. Auch der Mailänder Corriere della Sera vertat sich im Archiv. Zu sehen war unter dem Titel „Eine Ministerin in Bern“ die ebenfalls jüngst gekürte amerikanische Justizministerin Janet Reno. Offenbar wird da, was man(n)che längst argwöhnten: Es gibt einfach zu viele Frauen in der Politik.

Tafelsilber und ’ne Mütze

Jetzt plaudert Julij A. Kwizinskij. Der ehemalige sowjetische Chefunterhändler aus Genf (Waldspaziergang) und Botschafter Moskaus in Bonn schildert in seinen soeben erschienenen Erinnerungen beispielsweise, was sich so abspielte auf dem Botschaftsgelände vor Gorbatschows Besuch im Jahr 1989. Zuerst sei eine Armee von Mitarbeitern eingetroffen. Und die haben sich dann „zweimal zum Frühstück und zum Mittagessen angestellt“ und unauffällig ein Auge darauf geworfen, „was sie bei der Heimreise aus der Botschaft mitgehen lassen könnten“. Wertvolle Geschenke sollten dem Gast nur persönlich übergeben werden, da sie sonst spurlos verschwinden könnten. Noch lockerer seien die Sitten zu Breschnjews Zeiten gewesen, schreibt Kwizinskij. Von Mitarbeitern sei dem Botschafter und anderen vertraulich mitgeteilt worden, „ihr Chef benötige eine gute Lederjacke, eine Mütze, einen Plattenspieler oder gar einen Satz Tafelsilber, er selbst geniere sich aber, dies auszusprechen“. Es blieb unklar, ob der Überbringer der Bitte das geforderte Geschenk für sich selbst haben wollte, denn nachfragen konnte man nicht ohne Risiko. Kwizinskijs Buch trägt übrigens den Titel: „Vor dem Sturm“. Ganz wie bei Theodor Fontane. Ob dem Verleger Siedler das Steckenpferd durchgegangen ist?

Pornofrei

Britische Euro-Rebellen können nicht mehr behaupten, die Regierung Major vernachlässige ihre nationalen Pflichten und weigere sich, das Volk vor unheilvollen kontinentalen Einflüssen zu bewahren. Das Schicksal von „Maastricht“ hängt zwar noch in der Schwebe, aber Red Hot Dutch hat der Bannstrahl der Regierung getroffen. Für diesen Satelliten-Pornokanal, der zu nächtlicher Stunde von Dänemark ausgestrahlt wird, Decoder zu vertreiben oder auf ihm zu werben ist künftig verboten. Die Programme seien, so die Begründung, eine „ernsthafte Gefahr für Kinder“ und verstießen gegen „Anstand und Sitte“. Nun wettern die Betreiber gegen Zensur und „Gouvernantenmentalität“, aber ihr Ruf nach pornographischer Freiheit verhallt ungehört in diesem Land, das von moralischer Katerstimmung erfaßt ist.