Von Gernot Kramper

Die Universität der Bundeswehr München kommt aus dem Schlamassel nicht heraus: Noch bevor ein hauseigener Skandal beigelegt werden kann, produziert er schon den nächsten. Mit Folgen: Am 18. März trat der Universitätspräsident, Freiherr Jürgen von Kruedener, von seinem Amte zurück.

Die Pechsträhne begann 1991, als Professor Georg Geismann, gewiß kein Neonazi, aus Hitlers „Mein Kampf vorlas – eine „Gedenkveranstaltung“ an der Volkshochschule Neubiberg zum gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944. Der Rezitationsabend empörte Geismanns Professorenkollegen (die ZEIT berichtete in Nr. 37/92). Einer von ihnen, Michael Wolffsohn, Liebling der Medien und deutsch-jüdischer Patriot, empfand es als „Perversion, mit den Texten der Täter der Opfer gedenken zu wollen“. Am 15. Dezember 1992 traf Wolffsohn sich mit sechs Mitstreitern im Uni-Kasino, um weitere Protestmaßnahmen zu verabreden.

Das Gespräch wurde vom Nebentisch aus belauscht. Vielleicht zufällig, womöglich vorsätzlich Jedenfalls fertigten die Lauscher ein Protokoll an Das Papier leitete Universitätspräsident von Kruedener an das Bundesverteidigungsministerium weiter.

Der Meldevorgang wurde ruchbar, und eine Untersuchungskommission des Senats rügte den Präsidenten wegen dieses Verstoßes „gegen die akademischen Sitten“. Sie hoffte dennoch, ihn im Amt halten zu können – vergebens. Weil die öffentliche Kritik nicht verstummen wollte, trat er von sich aus zurück.

In seiner Rücktrittserklärung ging von Kruedener mit keinem Wort auf die Lauschaktion ein. Er sieht sich als Opfer böswilliger Intrigen, betrieben von einer „zum Frieden nicht bereiten kleinen Gruppe von Professoren mit einflußreichen Verbindungen“. Verstöße gegen die akademischen Sitten sieht er denn auch eher bei Wolffsohn als bei sich selbst.

Der wiederum nahm nun das Verteidigungsministerium unter Beschuß: „Wer in der Welt Frieden schaffen will, muß erst einmal sein eigenes Haus in Ordnung halten können.“ Zunächst habe man dort nach dem Papier „gegiert“ und es sich per Fax zukommen lassen, und nun, da der „Lauschangriff“ publik geworden sei, solle alles unter den Tisch gekehrt werden.