Mein lieber Freund Hermes (wir erinnern uns), der sich allgemein dadurch in angenehmste Erinnerung bringt, daß er, nackt und von der Decke baumelnd, wochenlang gegen Eintritt sein Geschäft verrichtet, was in Österreich, in dem es selbst ein Berufsschullehrer zum Otto Mühl gebracht hat, nicht mehr als A E I (auch sowieso ich) O U ist, mein lieber Freund Hermes (wir erinnern uns) würde gern seinem ekklesiogenen Geschäft im höchstprotestantischen Norden nachgehen. Wer hat Mut, wer hängt ihn auf, wer hat den Dübel?

Ein tröstliches Bild: Im Begegnungssaal des Diakonissenstifts Beth Elisa Beth Klaftot Beth kackt Hermes frierend vor sich hin, auf der Framus-Wandergitarre schabt Regine Meyer-Hencken-Schwencken – C, F, G7 und zurück zu C – den Takt, und wir alle stimmen ein, laut, damit es auch der Heiland hören kann:

Danke

für jeden neuen Morgen,

danke für jeden neuen Tag.

Dank auch

für alle meine Sorgen,

weil ich

sonst nicht mehr leben mag.

Du wirst Dich wundern, Hermes, wie rauh das Klima hier sein kann für Performances. Wir machen Mediale, und Mediale ist elektronisch. Unplugged – no pun intended – gibt es bei uns nur in Form von Dixieland.

Das wird wohl ein Traum bleiben.

Ein anderer Traum ist in Erfüllung gegangen. Man tritt wider besseres Wissen hinaus auf die Straße, und von allen Litfaßsäulen lacht es einen an: HELMUT SCHMIDT SCHREIBT FÜR BILD. Wie schön. Aber: Kann man sich drauf verlassen? Bleibt das so?

Ja, ja, das Pressewesen. Vor etwa anderthalb (oder zweieinhalb? oder dreieinhalb? oder viereinhalb?) Jahren rief mich eine Dame an und sagte: „Sie werden mich nicht kennen, ich bin Frau Sowieso von der Brigitte, und ich komme gerade aus New York.“

„Aha.“ (Das hätten Sie auch nicht anders gebracht. „Aha.“) (Hätte ich „I see“ sagen sollen? Vielleicht.) (Habe ich vielleicht sogar gesagt. „I see.“ Glaube ich nicht. Ich habe bestimmt „Aha“ gesagt. Ist egal? Ist überhaupt nicht egal. „I see“ zeigt Schwäche, „I see“ bedeutet, daß man auch schon mal in New York war sowie in Piggity-on-Tyne und sonstwhere. Aha.) („Aha“ ist nämlich Ferkel-&-Pu-mäßig p.c. [politically correct), und nun kann es losgehen : Aha?)

„Ja, und ich habe gerade mit Al Pacino gesprochen, und er hat gerade seinen Film fertiggekriegt, und ich habe ihm gesagt, wegen der deutschen Synchronisation soll er sich an Sie wenden, und da habe ich ihm Ihre Telephonnummer gegeben, und nun wundern Sie sich bitte nicht, wenn er Sie plötzlich anruft und sagt: ‚Hi, I’m Al Pacino.‘“

Und jetzt wundere ich mich schon seit gut und gern anderthalb (oder zweieinhalb? oder dreieinhalb? oder viereinhalb?) Jahren nicht die Bohne, und ich werde mich auch in den nächsten viereinhalb Jahren nicht wundern, aber ich will jetzt schon mal eine Ansage machen:

LISTEN, AL: IN CASE YOU’RE READING THIS...

WHAT CAN I SAY... YOU DESERVED IT, MAN,

DIS CUMS RIGHT FROM DA HEART, PAESANO...

ITSA ALLA YOURSA... KEEP UP DA GOOD WOIK!

Mein Freund und Vorbild Tommy „The One & Original Schafsäckchel“ Bodmer und ich pflegen die subtile Kunst der „Finger-Flashing“–Filmkritik. Das hört sich zunächst komplizierter an, als es ist. Ein Finger heißt einmal geweint, zwei Finger heißen zweimal geweint, drei Finger heißen dreimal geweint, vier Finger heißen viermal geweint, fünf Finger heißen fünfmal geweint, sechs Finger heißen ... Ich glaube, Sie haben das System verstanden. (Acht Finger hießen z.B. achtmal geweint.) Und wer einen Finger zuviel oder zuwenig hat, ruft damit Kopfschütteln, Naja oder Aha hervor. Aber das andere Aha, das Aha, das man austeilen, aber nicht einstecken kann.

„Der Duft der Frauen“, der Film, für den mein alter Telephonkumpel Al den Oscar bekommen hat, war ein ganz typischer 4-Finger-Film, ganz im Gegensatz zu..., aber davon später mehr.