DIE ZEIT

Gewählt

Inzwischen haben wir uns schon fast daran gewöhnt: Immer mehr Institutionen unserer so auf Unabhängigkeit und Offenheit eingeschworenen Gesellschaft gerieten in den Sog der Politik und der Parteien.

Abseits

Hinter den sieben Bergen kämpfen die Zwerge.................................................................................

Lohnkampf im Osten – so hart wie Stahl: Stur zum Streik?

In der ostdeutschen Metallindustrie steht viel auf dem Spiel: das Vertrauen der Beschäftigten und die Zukunft von Unternehmen, die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften und die Gestaltung der Tarifverträge.

Namen-Los

Endlich hat das neue Ehenamensrecht den Rechtsausschuß passiert. Es wird auch Zeit. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gegen den Vorrang des Mannesnamens in der Ehe ist mehr als zwei Jahre alt.

Zeitspiegel

Was bleibt von der DDR? Ihre schönste Errungenschaft: die olympische Begeisterung. Gleich doppelt hatte jüngst der gesunde Geist Anlaß, im gesunden Körper zu jubeln.

Kämpfen nur mit klarem Ziel

Es wäre so schön, klare und heroische Antworten zu haben auf Fragen, die sich in Wirklichkeit viel komplizierter stellen. Soll der Westen in Bosnien militärisch intervenieren? Und wenn ja, sollen die Deutschen sich daran beteiligen? Einfach hat es, wer entweder beide Fragen verneint oder beide Male ja sagt.

Blei in der Luft

um erstenmal seit 1945 will eine deutsche Regierung wieder in einen Krieg eingreifen. Die Offiziere in den Awacs-Maschinen sind nur der Anfang, morgen sollen "Blauhelme" losgeschickt werden, übermorgen – wenn es nach dem Willen der CDU/CSU und der Bundeswehrführung ginge – auch Kampftruppen.

Notfalls Gewalt

Deutsche an die Front? Ach was, es gibt keine Fronten mehr, es gibt nur noch Krisen. Und in Krisen, die unsere Sicherheit berühren, ist es nun einmal undenkbar, die Bundesrepublik könne es vorziehen, ihrer eigenen Sicherheit zu schaden, anstatt sie zu fördern – notfalls auch mit militärischer Gewalt.

Kein Pazifist für alle Zeiten

Im vergangenen Winter war ich in Zagreb. In einer kroatischen Klinik saß ein Vater am Krankenbett seines von serbischen Heckenschützen schwer verletzten Sohnes und wollte wissen: "Warum helft ihr uns nicht?" Ich war ratlos.

Nicht Großmacht, sondern Nothelfer

Als hätte jemand jäh die Butzenscheiben aufgerissen, so fuhr im Januar ein frischer Wind in die deutsche Debattierstube. UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali konfrontierte die Bonner Politiker mit der Wirklichkeit: "Ohne die uneingeschränkte Teilnahme Deutschlands werden die Vereinten Nationen ihre Aufgaben nicht erfüllen können.

Wolfgang Ebert: Dickes Ei

"... Politikverdrossenheit, aber wer trägt denn die Hauptschuld daran? Es ist doch eine Partei, und sie sitzt direkt links vor mir.

CDU-Familienpolitik: Flucht aus der Mitte

Manchmal verraten Parteien mit Ironie, aber ohne Absicht, was sie denken, doch nicht mehr zu sagen wagen. So heißt es in einem Thesenpapier zur Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt, das der Bundesfachausschuß Familienpolitik der CDU jüngst verabschiedet hat: "Sie gelingt am leichtesten in den Fällen, in denen sich ein Elternteil – meist die Mutter – zu Hause um die Familienarbeit kümmert, während der andere Elternteil – meist der Vater – erwerbstätig ist.

Verbitten statt versteuern

BIELEFELD. – Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder hat einen von der Volkswagen AG zur Verfügung gestellten Wagen genutzt und wird nun allenthalben dafür gelobt, daß er den ihm damit zugeflossenen geldwerten Vorteil versteuert und außerdem für die Beachtung der Vorschriften über die Anrechnung von Nebeneinkünften Sorge getragen hat.

Abtreten statt kleben

GÖTTINGEN. – In Deutschland kleben viele politische Würdenträger an ihren Sesseln. Sie meinen offenbar, ein Rücktritt bedeute ein Eingeständnis von Schuld oder sei ehrenrührig.

Bonner Bühne: Nicht so gemütlich

Der zweite Versuch in der sechsteiligen Interviewreihe, die Helmut Kohl mit dem Privatsender Sat 1 verabredet hat, verdient mehr Aufmerksamkeit als der erste.

Böcke als Gärtner

Zehn Tage lang haben wir das Grabmal von Heinz Galinski bewacht – und nichts ist passiert, nicht mal Farbschmierereien. Und da sollen wir eine rechtsextreme Bewegung sein? Unsere Reservisten leisten am Wochenende freiwillig Dienst.

ICH LESE GERADE...

... Rechts und dumm? von Gerhard Zwerenz (Carlsen Verlag, Hamburg 1993; 128 S., 20,-DM), enthusiasmiert von der Verbalkraft eines politischen Rundumschlages, süffig und wutentbrannt hingefetzt, wie es so gnadenlos nur dieses Enfant terrible der deutschen Gegenwartsliteratur vermag.

BUCH IM GESPRÄCH: Macht und Verantwortung

Die Kernthese des neuen Buches von Gregor Schöllgen lautet: "Deutschland hat sich seiner neuen Rolle als europäische Großmacht und seiner daraus abgeleiteten internationalen Verantwortung im Bewußtsein um die Konsequenzen zu stellen, ohne dabei die Ungeschicklichkeiten, Fehler und Verbrechen der ersten Jahrhunderthälfte mit ihren bis heute spürbaren Folgen zu verdrängen, zu vergessen oder gar zu wiederholen.

Ebenda

"Der Palast der Republik ist mit Sicherheit kein architektonisches Meisterwerk. Diese Eigenschaft teilt er allerdings mit etlichen Gebäuden dieser Welt.

Aus Kostengründen

NEUSTADT AN DER WEINSTRASSE. – Auch in dem idyllischen Städtchen an der Weinstraße lebt "Hänge-Peters" weiter. Eine Sackgasse mit 21 Häusern heißt Karl-Peters-Straße – die Nazis, die 1937 die Straße nach dem Kolonialhelden benannten, schrieben ihn zu allem Überfluß auch noch falsch.

KLAUS HARTUNG: Ein versöhnender Zug

BERLIN. – Rückfahrt von München nach Berlin Hauptbahnhof oder Ostbahnhof oder – wie es Volker Hassemer gerne haben möchte – Schlesischer Bahnhof.

Gewinne versteckt

Unsere Banker sind bescheidene Leute. Obwohl die meisten Geldinstitute im vergangenen Jahr ihre Gewinne auf Rekordhöhen schraubten und auch in diesem Jahr ein weiterer Anstieg zu erwarten ist, hüllen sich die Manager in Sack und Asche.

4. FOLGE: Warnung vor neuen Schulden

Rexrodt: Das Problem im Osten ist die Industrie: Von ursprünglich drei Millionen Arbeitsplätzen sind deutlich weniger als eine Million übriggeblieben.

Bonner Kulisse

Die schleswig-holsteinische Finanzministerin Heide Simonis zeigt überraschenderweise Mitleid mit Bundesfinanzminister Theo Waigel.

Edgar Salin leitete die Ökonomen zu ganzheitlichem Denken an. Schon früh untersuchte er das Problem einer europäischen Währungsunion: Der letzte Humanist

Wie nur wenige andere Persönlichkeiten seiner Zeit verkörperte Edgar Salin noch das humanistische Bildungsideal. In seinen Erinnerungen als "Goethe-Gymnasiast in der Goethe-Stadt 1901-1910" schrieb er im Jahre 1960: "Und die außerordentliche Bildungsmacht des Gymnasiums leitete sich wohl davon her, daß in ihm die gleiche Tradition und die gleiche Gesinnung herrschte wie zu Hause.

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