Immer wieder Bücher. In Bonn werden zur Zeit mehr vorgestellt, als der Konsument bewältigen kann. Da jedoch auch hier niemand all das liest, was er umsonst bekommt, bleiben Buchpräsentationen beliebte Termine – die gediegene Alternative zum klassischen Empfang. Wichtig ist, wer die einführenden Worte spricht (es kann auch der Autor selbst sein). Mancher, der vorgab, einige Worte zu einem Buch zu sprechen, nützt schon mal die Gelegenheit für Bemerkungen ganz anderer Art: für Seitenhiebe, Abrechnungen, Ankündigungen. Je mehr, je lieber.

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Oskar Lafontaine zum Beispiel, selbst in den Regalen mehrfach vertreten, macht das offenkundig gerne. Er hat schon recht unterschiedliche Bücher vorgestellt (eines seiner eigenen Bücher wiederum präsentierte Björn Engholm, seinerzeit, als beide noch "Hoffnungsträger" waren). Als im vergangenen Jahr Hubert Kleinert, früherer Abgeordneter der Grünen, seine Dissertation über die Grünen als Buch ("Aufstieg und Fall der Grünen", Dietz) veröffentlichte, nahm der Saarbrücker sich wie selbstverständlich die Zeit für die Vorstellung. Da konnte er wieder mal einiges loswerden. Wie immer brachte "Oskar" ein ausgearbeitetes Referat mit. Das wird von ihm zwar so nie vorgetragen, hinterläßt aber stets einen guten Eindruck, zeigt es doch: Sieh an, der Mann nimmt das ernst.

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Nicht ganz so gewichtig nimmt dieses Bonner Spiel indes Kollege Gerhard Schröder. Sein politischer Erstling ("Reifeprüfung", Kiepenheuer & Witsch) ist soeben erschienen (bürgernah präsentiert in Hannover). Ob Schröder keine Lust hat oder ihm dafür der intellektuelle Stab fehlt, bei der Vorstellung von Kleinerts zweiter Auswertung des Grünen-Themas ("Vom Protest zur Regierungspartei", Eichborn) ließ der Ministerpräsident dieser Tage jedenfalls nicht allzuviel Mühe walten. Er begnügte sich mit ein paar lässigen Bemerkungen. Auf Debatten ließ er sich nicht ein. Nebenher erwähnte Schröder auch das Personenregister des neuen Buchs. Der zunächst etwas rätselhafte Hinweis wird verständlich, sobald man ihm nachgeht. Vergleich der namentlichen Nennungen Lafontaines und Schröders bei Kleinert: 44 zu 4.

Aber was soll’s? Schließlich ist es ein historisches Buch. Und Engholm kommt, laut Register, nur zweimal vor. Da müßte die Welt in Hannover schon fast wieder in Ordnung sein.

Werner A. Perger