Von Thomas Kleine-Brockhoff und Dirk Kurbjuweit

Am 13. September 1990 geschieht das Ungeheuerliche. Die einfachen Mitglieder der Christlich Demokratischen Union Deutschlands, Kreisverband Hamburg-Altona, dürfen ihren Kandidaten für den Bundestag selbst bestimmen. Sie können sogar zwischen zwei Kandidaten auswählen. Ein atemraubender Vorgang in der Geschichte der Hamburger CDU.

Zur Wahl stehen der Landesvorsitzende Jürgen Echternach und ein Niemand: Markus Wegner, ohne Amt, bei der Parteiführung als „Rebell“ verschrien. Weil er dem Kreisverband Altona nicht angehört, muß Kandidat Wegner in der letzten Reihe Platz nehmen. Kandidat Echternach sitzt vorn in Reihe zwei.

Kameras des Norddeutschen Rundfunks haben den Verlauf der Versammlung festgehalten.

Der Versammlungsleiter: „Der Kandidat Wegner hat in dieser Versammlung kein Antrags- und kein Rederecht.“ Proteste der Wegner-Freunde. Die Versammlung gewährt Rederecht.

Ans Pult tritt der Landesvorsitzende und sagt: „Ich heiße Jürgen Echternach. Ich bin 52 Jahre alt. Ich wohne hier im Wahlkreis, vertrete den Wahlkreis seit 1980 im Bundestag, seit 1987 in direkter Wahl. Danke.“

Jetzt darf Kandidat Wegner ans Pult: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich gehe davon aus, daß ich etwa zehn Minuten Zeit habe.“