Von Erika Martens

Louis R. Hughes, bis vor kurzem Chef der Opel-Werke, versuchte im Mai vorigen Jahres, seine Unternehmerkollegen im hessischen Metall-Arbeitgeberverband mit einem Gleichnis zu überzeugen: "Eva fragte Adam: Liebst du mich? Adam antwortete: Ja. Wen denn sonst?" Genauso, folgerte der Manager aus Amerika, sei es auch mit Arbeitgebern und Gewerkschaften. "Nur Zusammenarbeit, nicht Sturheit gibt uns eine Chance, die großen Herausforderungen des Wettbewerbs... zu bestehen."

Doch von Zusammenarbeit, Liebe gar, sind die Tarifkontrahenten in diesem Frühling so weit entfernt wie nie zuvor. Hasso Düvel, IG-Metall-Bezirksleiter in Dresden, klagt öffentlich, er sei von den Arbeitgebern im Laufe der Gespräche um die Revision des Stufenplans für die ostdeutschen Metallarbeiter "beschissen und belogen" worden. Sein Hamburger Kollege Frank Teichmüller, zuständig für Mecklenburg-Vorpommern, würde sich am liebsten "mit denen nicht mehr zusammensetzen". Und IG-Metall-Chef Franz Steinkühler spricht vom "skrupellosen tarifpolitischen Konfrontationskurs".

Zimperlich in ihrer Wortwahl sind auch die Arbeitgeber nicht. Hans-Joachim Gottschol, Präsident von Gesamtmetall, verurteilte den drohenden Streik im Februar als "verbrecherisch", sein Hauptgeschäftsführer Dieter Kirchner warf der IG Metall die "schamlose Ausbeutung der Gefühle und Ängste der Arbeitnehmer in den neuen Ländern" vor.

Einen derart rüden Umgangston hat es zwischen den Tarifkontrahenten schon lange nicht gegeben. "Das Schlimme daran ist", so ein Vertreter der Unternehmerschaft, "daß er der Sache schadet. Die müssen sich ja nicht lieben, aber Vertrauen muß da sein, und reden muß man miteinander." Die Realität aber sind Mißtrauen und Sprachlosigkeit: Zwischen den Führungen der Verbände herrscht seit Wochen Funkstille; Spitzengespräche werden nicht mehr wie früher direkt vereinbart, sondern über die Medien angeboten.

Doch nicht nur die Gewerkschaft klagt über schlechten Stil, Unzuverlässigkeit des Tarifkontrahenten und Fernsteuerung durch die Arbeitgeberzentrale Gesamtmetall – ihre Vorwürfe könnte man als übliches Feldgeschrei einer Partei vernachlässigen. Auch die Schlichter, die sich im Februar um einen Kompromiß bemühten, warfen den Arbeitgebern vor, ihre Bemühungen um eine Lösung blockiert zu haben. Unmißverständlich machte dies schließlich der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf klar, der nach dem Scheitern seines ersten Vermittlungsversuchs Anfang April in einem ungewöhnlich deutlichen Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung seinem Unmut über die Taktik der Arbeitgeber freien Lauf ließ.

CDU-Mann Biedenkopf hatte am Palmsonntag mit dem sächsischen Arbeitgeberpräsidenten Erwin Hein und IG-Metall-Bezirksleiter Düvel einen Konsens über Rahmenbedingungen für neue Verhandlungen erzielt. Danach sollte der Stufenplan nicht bis zum Frühjahr 1994 hundert Prozent des tariflichen Westniveaus erreichen, sondern erst Ende 1995; bei der Lohnerhöhung für dieses Jahr bestand die IG Metall nicht mehr auf 26 Prozent, sondern ließ erkennen, daß eine Zahl unter zwanzig Prozent in Betracht kommen könne. Am folgenden Montag abend sollte der Vorstand des sächsischen Verbandes darüber befinden.