Die Spuren jener Vorrichtung, um die es im folgenden geht, verlieren sich im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Wann die Hutklammer aber ihren Weg begann, ist nicht mehr feststellbar. Sie wäre wohl auch im Meer des Vergessens versunken, hätte sie nicht in einem Buche Erwähnung gefunden. Auch dieses Buch existiert vermutlich nur noch in wenigen Exemplaren, die in Bücherborden und verstaubten Antiquariaten sanft vergilben. George Mikes, der ungarische Engländer oder englische Ungar, in seiner Zeit ein erfolgreicher Autor, schrieb es. "Über alles. Germany explored" erschien 1953 in London, und dadurch wissen wir von der Hutklammer im Nachkriegsdeutschland, über das Mikes berichtet hat. Seine Entdeckung hat ihn so fasziniert, daß er mit ihr sein Buch beendet:

"Als ich durch die Straßen Aachens fuhr, bemerkte ich einen Herrn, der seinen Hut am oberen Teil seines Wamses befestigt hatte. Das entzückte mich so sehr, daß ich meinen Wagen anhielt, ein kleines Restaurant betrat, dort eine Wurst und ein Bier bestellte und den Wirt, nachdem ich mit ihm über einige neutrale Dinge geplaudert hatte, fragte, ob das Tragen des Hutes am Wams wohl eine individuelle Erfindung sei oder allgemeiner Brauch. Er versicherte mir, das sei durchaus üblich. ‚Es ist sehr praktisch‘, erklärte er. ‚Wenn man den Hut braucht, setzt man ihn auf. Wenn man seiner nicht bedarf, ist er keine Bürde, denn man muß ihn dann nicht aufsetzen.‘ ‚Ich verstehe‘, sagte ich. ‚Man entledigt sich seiner, ohne daß man ihn wirklich los ist. Und man setzt ihn auf, wenn man respektabel erscheinen möchte.‘ ‚So ist es‘, stimmte er zu. Er sah, daß ich darüber nachsann, und fragte mich: ,Irgend etwas falsch daran?‘ ,Nichts falsch‘, erwiderte ich. ,Überhaupt nichts falsch. Aber tun Sie dasselbe bitte nicht mit Ihren Hosen.‘ "Mit unseren Hosen? fragte er, und ich entdeckte ein bißchen Überraschung in seiner Stimme. .Wiederholen Sie das nicht mit Ihren Hosen." Er sah mich an, als sei ich blöd. Aber das war ich nicht. Ich lieferte damit nur meine dritte Botschaft, das deutsche Problem betreffend."

Man darf raten, ob dieser Kommentar zur deutschen Hutklammer mehr dem Geist der englischen oder der ungarischen Satire zuzuschreiben ist. Uns dient er, das Ding aus den untersten Schichten unseres Gedächtnisses heraufzubeschwören.

Denn realiter existiert die Klammer nicht mehr, wird trotz des Nutzens, der Mika inspiriert hat, nicht mehr verwendet. Den Garaus hat ihr der Wandel im Erscheinungsbild des Bürgers bereitet, den der neue Wohlstand bewirkte. Der Hut wurde auf dem Kopfe getragen und allenfalls zum Gruße gelüftet, oder man ließ ihn zu Haus im Schrank. Man mußte ihn nicht mehr ständig mit sich führen. Die Hutklammer bildete sozusagen einen Zustand zwischen diesen beiden Möglichkeiten des korrekten und laxen Verhaltens. Heute spräche man von Optionen für den Hut, die die Klammer bot.

Manche Gegenstände, so lehrt uns auch der Fall der Hutklammer, sind zu praktisch, als daß sie überdauern könnten. Zumal die Warnung von George Mikes, diese Vorrichtung zweckentfremdet zu nutzen, offenbar gefruchtet hat. Bei seinen englischen Lesern ist sie, soviel wir wissen, so oder so nie heimisch geworden.