Die Geschäfte gehen schlecht. Warum sonst sollte Res Ingold, der Inhaber der Kunst-Fluglinie Ingold Airlines, so wortkarg mürrisch die wenigen Besucher seines Standes im Museum Groningen abfertigen? Geworben wird trotzdem. Das ist ja gerade die künstlerische Tat.

Hamburg-Bremen-Groningen-Amsterdam, professionell großspurig werden die Vorzüge des neuen Kurzstreckenhoppers angepriesen.Eine Hubschrauberpirouette über der nordholländischen Stadt für die Kunsttouristen eingeschlossen. Schautafeln in den Museumsräumen versprechen luftige Dienstleistungen, nicht ohne die vielseitige Geschichte des Unternehmens auszubreiten. Beste Kantinendekoration. Wo man’s hinnimmt und sich weiter seiner Wurst mit Kartoffelsalat widmet. Im Museum verkürzt so viel behäbige PR-Arbeit (auch wenn sie fiktiv ist) höchstens die Verweildauer und schafft den Besucher schnell wieder an die frische Luft.

Zwei Jahre lang hat Frans Haks, der Groninger Museumsdirektor, seine Ausstellung „Business Art/Art Business“ geplant, erdacht, kalkuliert. Der Außenseiter unter den Museumsleuten steht gern quer zum Kunstbetrieb, spürt lieber Trendiges auf, als sich mit seriösen Künstlerretrospektiven einen ehrenhaften Namen zu machen. Kunst muß den Leuten was bieten, lautet seine Maxime. 1991 ist ihm das mit der spannendsten Ausstellung im ganzen Kunstjahr gelungen: „What a wonderful World“ hieß eine Schau mit Pop-Videos, die in dekonstruktivistischen Pavillons von, zum Beispiel, Zaha Hadid, Peter Eisenman, Coop Himmelblau gespielt wurden. Außerdem betreibt der rührige Groninger den schrägsten Museumsneubau der Gegenwart, hat Alessandro Mendini im Team mit Michèle de Lucchi, Philippe Starck und Frank Stella dafür gewonnen. Kunst erneuert sich wie die Mode, sagt er, alle sechs Jahre gibt’s da Neues. Und da muß das Museum mit.

Seit einiger Zeit wittert Frans Haks eine neue Strömung („Mentalität“) im Kunstbetrieb. Business Art, die faszinierendste Kunstform überhaupt, von Andy Warhol zum Lebensziel gemacht, von Jeff Koons in der Medienhochzeit mit Cicciolina gefeiert, hat sich zum dominierenden Faktor in der Szene gemausert. Nicht nur die Künstler, auch ihre Verwalter wie der Direktor des Amsterdamer Rijksmuseums lassen sich neuerdings als Medienstar feiern (mit einem wöchentlichen Kunstkolleg im Fernsehen). Außerdem überprüft im Rijksmuseum eine ständige Kommission mit Vertretern von KLM, VW, American Express, Holländischem Fremdenverkehrsverein jedes Ausstellungskonzept auf seine Chancen am Markt, erzählt Frans Haks. Gleichzeitig nehmen Angebote zu, die versuchen, Kunst als steuerlich absetzbare Leasing-Ware an den Mann zu bringen. Und neue Kunstbroker werben um prestigebedürftige Kundschaft, die Bilder und Skulpturen aus Museumsdepots mieten möchte.

Das alles will Frans Haks mit seiner Schau auf den Punkt bringen und wählte zu dem Zweck Business-Artisten aus, die entweder die Geschäftswelt treu simulieren oder Geschäftsleute sind – und die Künstler imitieren. Die Einladungskarte sieht aus wie ein Wertpapier. Die Museumszeitung wie der Börsenteil eines Wirtschaftsblattes. Frans Haks fehlt branchengerecht bei der Eröffnung seiner Ausstellung und läßt sich von dem Finanzdirektor des Hauses vertreten. Die Schau gleicht einer Miniatur-Messe mit Ständen, Waren, dazugehörenden Vertretern.

Und ganz richtig bekommt der Besucher gleich am Anfang etwas zum Fummeln in die Hand. Bunte Stoffe mit Blumen bedruckt, schrill orangefarbene Hemden, eine ganze Stange voll, alle mit dem Aufdruck „Museum Groningen“ versehen: Name Diffusion vertreibt das Markenprodukt für 500 Gulden. Der internationale Fischhändler Servaas nimmt mit zwei Fischständen in der Stadt teil und einer „Eau de Pisson“-Bar im Museum. Techno Test wirbt knochentrocken mit Stroboskoplampen und Abgasanalysatoren. Der reale italienische Konzern hat als Kunstprogramm eine kleine Serie seiner Apparate rot eingefärbt und mit Repräsentanten nach Groningen geschickt. Der Repräsentant war früher Künstler, was er natürlich nicht selbst verrät.

Auch Bilder finden sich auf dieser Warenmesse. Echt mit Ölfarbe auf Leinwand gepinselt. Von drei Fließbandmalern nach Motiven von Ideenfindern. Signiert „Mark Kostabi“. Dreißig Meisterwerke, dreißigmal die Abenteuer eines gesichtslosen Unisexwesens in der Kunstwelt, werden am Ende der Ausstellung fertig geworden und zu verkaufen sein, was auf extrem gute Gewerkschaftsabschlüsse bei den Kunstarbeitern schließen läßt. Denn leicht könnten bis zum 7. Juli 300 Bilder fertig sein, legt man einen normalen Achtstundentag zugrunde. Jedem Menschen ein echter Kostabi, mit dem Charme eines Kleinwagenvertreters preist der Amerikaner seine Idee an.