Das Konzept ließ sich auf andere Themen übertragen. Historisch grundiert und mit Aura animiert, wurden ihre Ausstellungen zu großen Portraits. Nicht nur von Menschen wie Bismarck (in Berlin) und Mozart (in Wien), sondern auch von Städten („BerlinBerlin“ zur 750-Jahr-Feier) und Flüssen wie zuletzt „Die Elbe – ein Lebenslauf“, die dem einstigen Grenzfluß eine Art identitätsstiftende Kraft zuwies.

„Die Geschichte ist für mich auch so etwas wie eine Landschaft“, sagt sie. „Aber nicht nur ein historisches Portrait der Mächtigen. Mich interessieren die Alltagsmenschen, die längst Vergessenen, die das Bild mit Leben Allen. Diese Geschichte erzählt sich aus den Gegenständen. Nur auf den ersten Blick sind sie trivial. Auf den zweiten sieht man darin die Spuren der Menschen. Die will ich sichtbar machen.“

Denen gilt ihre Such-Lust, die muß sie finden. Und mit Jagdfieber im Blick gesteht sie: „Da werde ich wirklich zum Jäger und Sammler. Zum Pfadfinder, auf vorgezeichneten Bahnen, aber immer bereit, neuen Spuren nachzugehen.“

Ihre Jagdgründe reichen von Los Angeles bis nach Moskau. Vom kleinen Ume°a, tausend Kilometer nördlich von Stockholm, bis nach Sizilien, den Ostblock auch schon vor der Wende inbegriffen. Dabei helfen ihr eine gut entwickelte Spürnase für öffentliche und private Sammlungen, ein handfest-praktischer Charme und eine sachbezogene Verführungskunst.

Als erster wußte diese Talente der Herr der „Windrose“, Peter von Zahn, zu schätzen und einzusetzen. 1975 assistierte sie ihm bei zwei Filmen über die „Welt der Staufer“. Er schickte sie mit Kamerateams auf Staufer-Spuren von Ratzeburg bis nach Apulien. Da war sie gerade 25 Jahre alt, hatte in München Geschichte und Soziologie studiert, über die „Kathedersozialisten“ promoviert und in den 68er Jahren Theorie und kontroverses Argumentieren entdeckt.

Jetzt mußte sie mit List und Charme Drehverbote überwinden; zum Beispiel einen Monsignore bewegen, ihr zu erlauben, in der Capella Palatina normannische Fresken zu filmen. Die Dreherlaubnis gab er schließlich nur, weil er wußte, daß die nächste Steckdose einen Kilometer weit entfernt lag. Sie schaffte es; der Bürgermeister stellte seine Carabinieri als Blitzhilfe zur Verfügung.

Auch bei der Panorama-Ausstellung half ihr das Finde-Glück. In der St. Petersburger Eremitage stieß sie auf eine Rarität: Auf dem Dachboden des Menschikow-Palais zeigte man ihr Rollen mit Landschaften – 850 Meter lang und 50 Zentimeter hoch. Ein polnischer Arzt hatte sie während des Baus der Transsibirischen Eisenbahn aquarelliert und dafür auf der Pariser Weltausstellung 1900 eine Goldmedaille erhalten.