Von Heiko Leopold

Am 31. Mai, am Tag der berühmten Seeschlacht am Skagerrak, stand Karl Dönitz auf dem Berghof bei Berchtesgaden vor seinem „Führer“ Adolf Hitler. Der Großadmiral und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine hielt Lagevortrag. In dürren Worten berichtete er von der Krisis der deutschen U-Bootkriegführung im Atlantik. In der Wahrheit handelte es sich nicht um eine „Krisis“, sondern um eine Bankrotterklärung. In dieser Härte kam das Desaster für die Marineführung unerwartet. Dönitz hatte die Konsequenzen bereits gezogen und trug das Ergebnis ohne Umschweife vor: vorläufiger Rückzug der eigenen U-Boote aus dem Nordatlantik. Hitler zeigte sich einverstanden – nicht für lange Zeit.

Im Mai 1943 waren 42 – in Worten: zweiundvierzig – deutsche U-Boote nicht in ihre Stützpunkte zurückgekehrt, in einem einzigen Monat! Damit hatte die deutsche Kriegsmarine in den ersten fünf Monaten des Jahres an die 90 U-Boote verloren. Im ganzen Jahr wurden es 242 Boote. Sie sanken, von Wasserbomben zerfetzt, von Schiffsgranaten getroffen oder von Flugzeugen gebombt, mit mehr als 10 000 jungen Seeleuten an Bord, die einen schrecklichen Tod erlitten. Nur wenige überlebten und gerieten in Kriegsgefangenschaft.

Im Mai 1943 wurden 44 Handelsschiffe zu Opfern der U-Boote. Das bedeutete jedoch: Fast auf jeden versenkten Dampfer kam ein versenktes U-Boot. Auf den alliierten Handels- und Kriegsschiffen starben noch einmal so viele Seeleute wie auf den U-Booten.

Deutschland hatte die „Schlacht im Atlantik“ verloren, jenen seit dem Sommer 1940 tobenden rücksichtslosen Unterseebootkrieg, der den Inselstaat Großbritannien tödlich treffen sollte.

Sie nannten sich die U-Bootfahrer und waren die Elite ihres Befehlshabers Karl Dönitz. Mit einer gewissen Selbstironie und Schicksalsergebenheit sprachen sie von sich auch als dem „Freikorps Dönitz“, denn sie waren in der großen Mehrzahl Freiwillige. Admiral Dönitz war für viele von ihnen der „große Löwe“, und manche der Überlebenden behielten auch nach dem Kriege diese ehrfürchtige Bezeichnung bei.

Er redete sie als seine „U-Bootmänner“ an. Mehr als 28 000 von insgesamt über 40 000 deutschen U-Bootfahrern kehrten nicht von See zurück, eine fürchterliche Schlachtenbilanz. Die Toten konnten auch über den Großadmiral und die von ihm in den letzten Jahren des Krieges erteilten tödlichen Einsatzbefehle kein Urteil mehr abgeben. In jenen Jahren betrug die Überlebenszeit eines U-Bootes in See nur rund zwei Monate. Seit 1943 wurden die Besatzungen von Dönitz auf einen „Opfergang“ geschickt; sie sollten Luftstreitkräfte des Gegners auf See „binden“, obwohl die Heimat doch bereits vom Bombenkrieg verwüstet wurde.

Die zu Hause erfuhren nichts von der verlorengegangenen Schlacht im Atlantik. Daß, anders als in Stalingrad, diese Wahrheit dem Volk verborgen blieb, dafür sorgten mit großer Effektivität Goebbels’ Propaganda, die Zensur der Feldpostbriefe und GKDOS – die geheime Kommandosache der Marine. Später erst trafen die Todesnachrichten bei den Familien ein; man sprach beschönigend von „Gefallenenmeldungen“.

Es war die dritte katastrophale Niederlage des Deutschen Reiches im Wendejahr des Zweiten Weltkrieges: nach Stalingrad und nach Rommels verlorener Wüstenschlacht in Nordafrika.

Die Kriegstagebücher der Schlacht im Atlantik liegen offen und sind ausgewertet. Der Historiker Michael Salewski hat die deutschen Seekriegsakten vorgestellt und analysiert. Lothar-Günther Buchheim schrieb „Das Boot“ und setzte den U-Bootfahrern ein menschliches Denkmal. In seinen erschütternden Photodokumentationen finden sich eine Fülle wertvoller Fakten und daneben eine schonungslose Abrechnung mit seinem einstigen „großen Löwen“ Dönitz.

Jeder Demokrat, der sich mit der kontroversen Persönlichkeit des Großadmirals auseinandersetzt, wird durch diese Dokumentation zu einem kritischen Urteil herausgefordert. Denn Dönitz wurde zum Synonym für den deutschen U-Bootkrieg schlechthin. Er hat die „Waffe des armen Mannes“ (gemeint ist die Kontinentalmacht Deutschland mit ihrer kleinen Hochseeflotte) geformt und am Ende in die Vernichtung befohlen.

Nach dem Flottenabkommen 1935 zwischen dem Deutschen Reich unter Hitler und Großbritannien durfte die Kriegsmarine endlich nachrüsten: auf ein Drittel der englischen Flotte, bei U-Booten gar von null auf hundert Prozent der britischen U-Bootzahl (rund 160 Boote).

Die Kriegsmarine betraute den Kapitän zur See Dönitz mit dem Aufbau der U-Flottille. Zunächst war er nicht begeistert, ging aber alsbald tatkräftig zur Sache. Wer war dieser Mann?

Er geriet im Ersten Weltkrieg als U-Bootkommandant in englische Gefangenschaft. In der Reichsmarine der Weimarer Republik trat er nicht hervor. Er war Kommandant des Leichten Kreuzers Emden, als ihn das Oberkommando der Kriegsmarine aufforderte. Seine Position als Flottillenchef der U-Boote schien in einer „Dickschiffmarine“ relativ unbedeutend zu sein. Doch seine sofort beginnende, in Denkschriften vorgetragene Kontroverse mit (dem späteren Großadmiral) Erich Raeder, seit 1928 Chef der Marineleitung, sicherte ihm rasch einen Namen in der Admiralität.

Dönitz wurde zum verbissenen Anwalt einer starken U-Bootflotte. Raeder hingegen, befangen im Schlachtflottendenken des Ersten Weltkrieges, setzte sich durch. Er entwickelte einen gigantomanischen Rüstungsplan, der mit Hitlers Billigung Vorrang vor den Etatforderungen von Heer und Luftwaffe erhielt: Neben Bismarck und Tirpitz sollten vier Superschlachtschiffe und vier Flugzeugträger sowie rund dreißig Panzerschiffe und Kreuzer den Kern dieser Flotte bilden, daneben eine Unzahl kleiner Kampfboote; alles aufzustellen bis 1945! Für die U-Bootplanung blieben bis 1943 einhundertdreizehn Boote in der Projektion, obwohl Dönitz kategorisch wiederholt mindestens dreihundert Boote gefordert hatte, um jederzeit einhundert in See haben zu können.

Raeder glaubte Hitlers Zusicherungen, vor 1945 brauche er die Großkampfflotte nicht „für seine politischen Ziele“. Bei Kriegsbeginn 1939 war der Rüstungsplan der Marine Makulatur geworden. Der frischgebackene Konteradmiral Dönitz zog mit nur etwa dreißig frontreifen, atlantiktauglichen U-Booten in den Krieg gegen England. Erst seit Mitte 1942 wurden fünfzehn Boote pro Monat gebaut, als die Schlacht im Atlantik schon ihre Wende erreicht hatte. Die Superschiachtschiffe wurden nie gebaut; die Arbeiten am ersten deutschen Flugzeugträger hörten bei Kriegsanfang auf.

Unklar und umstritten blieben auch die operativen Planungen der Kriegsmarine. Erst ließ Hitler die Admiralität im ungewissen, gegen wen man eigentlich rüstete. Als dann England Gegner zur See wurde, verlangte Dönitz den konsequenten Vernichtungsfeldzug gegen dessen Handelsschiffe. „Tonnagekrieg“ hieß das: Es kam darauf an, gleichgültig, in welchem Seegebiet, stets mehr Schiffe des Gegners zu versenken, als er nachbauen konnte. Raeder jedoch favorisierte den „Zufuhrkrieg“ rund um Großbritannien, also auch gegen alle neutralen Handelsschiffe, um damit das Land von seinen lebenswichtigen Ressourcen – Öl, Erzen und Nahrungsmitteln – abzuschneiden.

Erneut behielt – zunächst – Raeder die Oberhand. Sehr bald aber weiteten sich die U-Bootattacken auf den gesamten Nordatlantik und die Randmeere aus. Großadmiral Raeder hatte selber beim Kriegsanfang realistisch und pessimistisch erkannt: „... die Überwasserschiffe sind bisher nur in der Lage, mit Anstand zu sterben, und die U-Boote noch viel zu schwach, um kriegsentscheidend zu wirken.“ Die Seeleute auf dem Schlachtschiff Bismarck sollten im Mai die grausame Wahrheit dieser Sätze am eigenen Leib erfahren.

Dönitz hatte die Zeit des mühsamen Neuaufbaus trefflich genutzt. Er gestaltete die Friedens- und Kriegsausbildung der U-Bootfahrer vorbildlich und kanalisierte Ehrgeiz und Können seiner jungen Kommandanten. Dabei nahm er ihnen nicht die eigene Initiative, sondern förderte sie. Er verlangte straffe Disziplin und erhielt sie, vor allem bei der Einübung und Weiterentwicklung der schon im Ersten Weltkrieg so erfolgreichen Gruppentaktik der Boote. Dönitz vollendete seine sogenannte Wolfsrudeltaktik bis zur tödlichen Präzision. Die „Wölfe“ wurden zum Schrecken der alliierten Geleitzüge.

Die erstaunlichen Erfolge „seiner Männer“ bestätigten das Ansehen des Admirals, der persönlich ein etwas hölzernes Charisma ausstrahlte. Er führte hart und unnachsichtig, ließ aber auch den U-Bootfahrern in ihrer kargen Freizeit ihre privaten „Spielwiesen“.

Selbstverständlich galten für alle absoluter Befehl und Gehorsam bis in den Tod, ebenso aber auch eine autoritäre Art von menschlicher Fürsorge zwischen Vorgesetzten und Untergebenen. Dönitz’ patriarchalisches Engagement erstreckte sich bis in den Krieg hinein auf alle Bereiche; selbst Familiennachrichten wurden bisweilen über Funk übermittelt. Offensichtlich hatte Dönitz aus den Matrosenaufständen in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges gelernt. Nie wieder durfte in der Marine eine Meuterei passieren! Offiziere und Mannschaften mußten eine „verschworene“ Gemeinschaft bilden.

Diese Führungsprinzipien haben nach Aussage vieler Betroffener den Alltag der U-Bootfahrer im Krieg weitgehend bestimmt. Es gab allerdings schreckliche Ausnahmen bei ideologisch fixierten oder zu menschlicher Führung unfähigen Offizieren. Dann kollidierte – gegen Kriegsende immer häufiger – das Durchhaltedenken mit der Einsicht in die selbstmörderische Sinnlosigkeit des Kampfes.

Dönitz berief sich gern auf die „reinen“ soldatischen Ideale. Er selber aber verstrickte sich überzeugt in die Ideologie des Nationalsozialismus. Der Bruch in seiner Persönlichkeit wird geradezu bestürzend sichtbar, als er sich Hitler bedingungslos unterworfen hat. Wie ein „Würstchen“ fühle er sich vor seinem „Führer“, berichtete er seinen Admiralstabsoffizieren. Nicht wenige folgten ihm in dieser kritiklosen Anhängerschaft: „Es ist also notwendig ..., daß es in diesem bitterernsten Schicksalskampf nur die fanatische Anhängerschaft an diesen Mann [Hitler] und diesen Staat gibt. Jedes Abweichen ist ein Verbrechen. Lieber möchte ich Erde fressen, als daß meine Enkel in dem jüdischen Geist und Schmutz erzogen würden und vergiftet werden und daß die Sauberkeit der heutigen öffentlichen Kunst, Kultur und Erziehung ... wieder in jüdische Hand kommen soll.“

Das sind Auszüge aus einer Rede des Großadmirals Dönitz vor Marineoffizieren nach dem Putschversuch am 20. Juli 1944. Sie beweisen, daß der damalige Oberbefehlshaber der Kriegsmarine kein unpolitischer „Nur-Soldat“ war, wie es uns seine vielen schriftstellernden Apologeten nach dem Kriege weismachen wollten.

Schlimmer sind einige seiner Taten, die belegen, daß Dönitz auch die Blutjustiz des Systems bedingungslos exekutiert hat, selbst an einigen „seiner Männer“. Ein U-Bootkommandant (Oberleutnant zur See Oskar Kusch, Crew 37) wurde von einem Marinekriegsgericht wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und erschossen, weil er sich vor seinen Offizieren kritisch über den „Führer“ geäußert hatte und von eben diesen jungen Offizieren denunziert worden war. Dönitz ließ noch einen U-Bootkommandanten verurteilen und erschießen, weil er vor Gibraltar „Feigheit vor dem Feinde“ bewiesen habe. Der dekorierte Offizier hatte aus Verantwortungsgefühl für seine Besatzung den sinnlosen Versuch abgebrochen, durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer einzudringen; es ist exakt die Art von Szenerie, die Buchheim in seinem Tatsachenroman „Das Boot“ schildert. Gnadenersuche von Marineoffizieren, welche diesen Offizier als tapferen Mann kannten, ließen den verbohrten Großadmiral ungerührt.

Vor den Zeiten einer pervertierten Führung, die den U-Bootfahrern nur noch den „Opfergang“ mit ebendiesem Wort abforderte, lagen ihre „erfolgreichen“ ersten Kriegsjahre. Der „größte Kampf, der je zur See entschieden worden ist“ (Churchill) begann als drôle de guerre vorsichtig und zögernd auf beiden Seiten und steigerte sich erst allmählich zur Vernichtungsschlacht. Drei Kommandanten stiegen zu frühem und kurzem Ruhm auf: Günther Prien, Otto Kretschmer und Joachim Schepke versenkten mit ihren Torpedos in knapp anderthalb Jahren mehr als hundert englische Handelsschiffe. Prien war schon früh berühmt geworden, als er mit U 41 im Herbst 1939 in den gesicherten Hafen von Scapa Flow eindrang und dort das Schlachtschiff Royal Oak versenkte. Die drei gehörten zu den ersten Wehrmachtoffizieren, denen Hitler persönlich das Ritterkreuz mit Eichenlaub umhängte, diese so begehrte Auszeichnung. Bald gab es in der Marine 52 Ritterkreuzträger, die meisten von ihnen „U-Bootasse“.

Die Engländer und die Neutralen verloren in den Jahren 1939 und 1940 allein im Nordatlantik mehr als 400 Handels- und Kriegsschiffe, im folgenden Jahr gar 500. Auf deutscher Seite gingen in dieser Zeit 67 U-Boote verloren (in den vier Kriegsmonaten 1939 allein 32), eine Zahl, die der Marineführung als durchaus tolerabel galt. Darunter waren allerdings im März 1941 auch die drei Asse Prien, Kretschmer und Schepke mit ihren Booten. Nur Kretschmer und seine Besatzung gerieten in Gefangenschaft sowie vier Männer von Schepkes Boot. Alle anderen versanken im Atlantik.

Die britische U-Bootabwehr verhärtete sich nach ungeheuren technischen und rüstungswirtschaftlichen Anstrengungen. Von 1940 an formierten sich riesige transatlantische Geleitzüge vor den Küsten Amerikas und Englands. Hunderte von Geleitzerstörern, -fregatten und -korvetten wurden in Dienst gestellt, um die Konvois zu sichern. Zugleich begannen die Briten den Seeraum des Atlantik mit Flugzeugen zu überwachen, die von Land oder von Trägern starteten.

Noch aber fehlte der tödliche Biß. Der Befehlshaber der U-Boote führte seine Streitkräfte geschickt an die erkannten Konvois heran. Die relative Nähe der großen neuen Stützpunkte am französischen Atlantik begünstigte die nun beginnenden tödlichen „Rudelangriffe“. Ganze alliierte Geleitzüge wurden schauerlich dezimiert. Die Seeleute auf den britischen Handels- und Kriegsschiffen durchlitten die schrecklichsten Phasen der Schlacht im Atlantik. Der erschütternde Roman „The Cruel Sea“ (Nicholas Monserrat) setzt ihrer Tapferkeit ein Denkmal.

Ende 1941, nach Hitlers Kriegserklärung an die USA, wurde der U-Bootkrieg bis unmittelbar unter die amerikanische Ostküste und gar in die Karibik ausgedehnt. „Jetzt werden die Weidegründe noch fetter“, meinten die U-Bootfahrer. Doch bald sollten sich die kombinierten Anstrengungen der Supermächte zur See, Englands und Amerikas, auswirken. Ihre Geleitzüge wurden raffinierter geführt und umgeleitet. Das Blatt begann sich im Laufe des Jahres 1942 zu wenden: 87 eigene U-Boote gingen verloren, ein sprunghafter Anstieg der Verluste seit dem Vorjahr. Bitter beklagte Dönitz das Fehlen deutscher Luftaufklärung gegen Geleitzüge; doch vergebens mahnte er die Hilfe der Luftwaffe an, die derweil in Rußland und im Mittelmeerraum verschlissen wurde.

Die U-Boote wurden von Jägern zu Gejagten. Denn die alliierte U-Bootjagd erreichte nach etlichen Crashprogrammen äußerste Genauigkeit: Radar auf Schiffen und Flugzeugen, Sonar/Asdic auf Schiffen, spezielle hunter-killer groups, exakte Peilung und Entschlüsselung deutscher Funksprüche, gnadenlose Verfolgungen mit Wasserbomben aus der Luft oder von Kriegsschiffen aus wurden den U-Booten zum tödlichen Verhängnis. Oft noch im eigenen Hafen wurden sie beim Ein- und Auslaufen bombardiert. Das Schiffbauprogramm der alliierten Handels- und Kriegsmarinen wuchs gigantisch und langte schließlich für zwei siegreiche Feldzüge – im Pazifik gegen die Japaner und im Atlantik gegen das Deutsche Reich.

In der Kriegsmarine begann noch 1943 der Wunderglaube an neue U-Bootkonstruktionen. Zugleich aber mußten Hunderte alter VII-C-Boote den „Opfergang“ ohne Aussicht auf Rückkehr antreten, um nach Dönitz’ Befehlen Luftstreitkräfte des Gegners auf See zu „binden“, während doch die deutschen Städte eine nach der anderen in Schutt und Asche sanken. Schließlich forderte Dönitz sogar den Kamikaze-Einsatz seiner Boote gegen die alliierte Invasionsflotte vor der Normandie. Sein eigener Sohn, Schnellbootoffizier, kam bei einem solchen Angriff ums Leben.

Fast dreißig Jahre später, als der Großadmiral außer Diensten Karl Dönitz hochbetagt in Aumühle bei Hamburg gestorben war, rief Bundesverteidigungsminister Hans Apel auf der Hardthöhe einige Mitarbeiter zu sich. Nach kurzer Debatte entschied der Minister, die Bundeswehr werde den Verstorbenen nicht ehren; ihren Soldaten wurde verboten, in Uniform an der Beerdigung teilzunehmen. Es folgten Hunderte von brieflichen Protesten, vor allem von Altgedienten aller Dienstgrade. Aus dem Antwortbrief Hans Apels seien die Kernsätze zitiert:

„Soldatische Pflichterfüllung und militärische Tüchtigkeit sind nicht zu trennen von den politischen Zielen, denen sie dienen... Großadmiral Dönitz war zu seinen Lebzeiten außerstande, sich mit seiner Position gegenüber den Nationalsozialisten und dem Widerstand kritisch auseinanderzusetzen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.