Wo liegt Garstedt? Es steht nicht im Diercke-Atlas, auch nicht im Lexikon. Und was ist in Garstedt? In Garstedt wird jemand Golf spielen, und „abends Mutter“ steht in seinem Terminkalender neben dem Stichwort „Muttertag“ unter dem 9. Mai. Ein guter Mensch! Und ein bedeutender. Denn am 5. Mai wird er morgens irgendwohin fliegen (LH 003) und abends schon wieder zurück (LH 062). Und am 6. Mai erst! „8.30 Tennis, 10.00 Strategie Verpackung, 13.00 Mittagessen, 15.00 Zahnarzt, 18.00 Joggen“, hat der Herr notiert, und enigmatischbeeindruckend steht darunter nur: „Bank, Club“.

Wir kennen den imposanten Herrn nicht. Ein Unternehmen hat seinen datetimer, so heißt ein modernes Notizbuch heutzutage, schamlos abgedruckt. Genauer: „datetimer komplett mit SystemblattArchiv für Zeit+ZielPlanung“ wird das Œuvre in eigenwilliger Rechtschreibung präsentiert; syntaktisch zeitgemäß (Weil – da ist wirklich alles drin) wird der Kauf nahegelegt.

Einen datetimer kauft man nicht zum Spaß. „Eigeninitiativ“ und mit „unverzichtbarer Selbstdisziplin“ müsse er benutzt werden, so der Hersteller. Vor allem viel Zeit scheint vonnöten, wenn die vier „Leitregister“ Projekte, Persönliches, Planung und Datenbank mit Eintragungen versehen werden sollen. Auf deutsche Mentalität zugeschnitten sind besonders die Rubriken „Objekte/verliehen an...“ und „Objekte/ausgeliehen von...“ mit zu notierendem Rückgabetermin. (Unser Herr Mustermann hat eine „CD Händel von Heike“ geliehen.)

Um unser naives Zeitverständnis grundsätzlich zu revolutionieren, bietet sich das „1 x 1 des Zeitmanagements“ an. Dieses „Trainingspaket“ verhilft dazu, „das Wichtige vom Dringenden zu unterscheiden“. Merken Sie es? Die Methode wirkt sofort, denn schon setzt Nachdenklichkeit ein. Wichtiges muß ja nicht dringend sein, Dringendes hingegen kann nur wichtig sein, warum sollte es sonst dringend erledigt werden müssen? Da das „1 × l des Zeitmanagements“ für Dringendes nichts übrig hat, verspricht es Entspannung, allerdings nur so lange, bis das verdrängte Dringende so wichtig geworden ist, daß es mit der Priorität des Wichtigen in jedem Falle identisch ist. Gleichwohl! In der so gewonnenen Freizeit dürfen wir ein Fragespiel machen. „Nennen Sie die Anzahl der Seminarfolien-Sets, die in der Grundausstattung enthalten sind.“

Und was kann man gewinnen?

Na, das „1 x 1 des Zeitmanagements“ natürlich! Vielleicht auch eine Partie Golf in Garstedt, und abends Mutter. Roland Kaehlbrandt