Von Roland Kirbach

Schleswig-Holsteinhat zur Zeit zwei, auch Hamburg hat zwei, Brandenburg hat zwölf, Niedersachsen sechs, Nordrhein-Westfalen neunundzwanzig, Baden-Württemberg neun und Sachsen zwölf, davon mit 72,6 Kilometern auch die längste von allen. Bundesweit gibt es gegenwärtig 110 Autobahnbaustellen. Wobei nur diejenigen gezählt werden, die länger als acht Tage bestehen.

Immer zur Ferienzeit, so scheint es, werden die Autobahnen repariert. Muß das sein? Produziert doch diese „Politik der Nadelöhre“, wie die Frankfurter Rundschau erkannte, „millionenfach sinnlos verwartete Stunden und millionenfach sinnlos verfeuerte Liter Kraftstoff. Das Fachblatt auto, motor und sport hat errechnet, daß „rein statistisch gesehen“ Autofahrer alle sechzehn Kilometer auf eine Autobahnbaustelle treffen.

Viele Reparaturarbeiten erforderten Trockenheit und Wärme, sagt Landesbaudirektor Harald Beck von der Straßenbauverwaltung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Die meisten Autobahnbaustellen müßten daher im Sommerhalbjahr eingerichtet werden. Und ihre Zahl wächst.

„Die Autobahnen, die Hitler noch angefangen hat und die bis Mitte der sechziger Jahre fertiggestellt wurden, müssen jetzt erneuert werden“, sagt Eckart Dyckerhoff, Verkehrsingenieur beim ADAC. „In den nächsten Jahren gibt es einen großen Reparaturbedarf bei den Autobahnen“, meint auch Gert Oefner, auf Autobahnen spezialisierter Bauingenieur der Münchner Bundeswehr-Universität. „Im neuen Verkehrswegeplan sind die Kosten für die Erhaltung der Autobahnen überproportional angehoben worden.“

Dies gilt, wohlgemerkt, für die alte Bundesrepublik. In den neuen Bundesländern ist das Problem viel größer. Bis zur Wende, sagt Oefner, hätten die Autobahnen dort noch ausgesehen wie zur Nazi-Zeit (weswegen, so lautete ein Witz zu DDR-Zeiten, es auch unfair gewesen sei, der SED den schlechten Zustand anzulasten, sie habe die Autobahnen nie angetastet). Auf den Fernstraßen gab es keine Leitplanken in der Mitte, am Rand meistens auch nicht, keine Standspuren, und die Anschlußstellen hatten keine Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen.

Je nach Belag haben Autobahnen eine Lebensdauer von zwanzig bis dreißig Jahren. Dann muß auf der vorhandenen Trasse die Straße von Grund auf neu gebaut werden; viele Strecken, etwa auf der A 7 Hannover-Kassel, werden bei dieser Gelegenheit auch gleich von zwei auf drei Spuren erweitert. Die meisten Autobahnen der alten Bundesrepublik, die „im Bauboom der sechziger und siebziger Jahre“ entstanden, so Landesbaudirektor Beck, haben nun dieses Alter erreicht.