ZEIT: Seit einem Jahr sind Sie Gouverneur von Hongkong. Wie bewerten Sie die vergangenen zwölf Monate?

Patten: Sie waren wirtschaftlich erfolgreich: Wir haben vom Aufschwung der chinesischen Wirtschaft profitiert – aber auch dazu beigetragen. Sechs Millionen Menschen in Hongkong repräsentieren 19 Prozent des chinesischen Bruttosozialprodukts, das ist eine spektakuläre Zahl. Wir erfreuen uns eines Wachstums von fast sechs Prozent. Auch politisch war das vergangene Jahr nicht so erfolglos, wie manche Leute behaupten. Trotz Angriffen aus China – verbale Verunglimpfungen unglaublichen Ausmaßes – hat die Bevölkerung die Nerven behalten. Dies ist ein Zeichen ihrer Reife.

ZEIT: Wie erklären Sie sich die Wut Pekings über Ihre bescheidenen politischen Reformvorschläge?

Patten: Zunächst einmal hat ihnen die Bekräftigung der Interessen Hongkongs nicht gefallen. Sie sprechen zwar davon, Hongkongs Lebensstil zu schützen und das Konzept „Ein Land, zwei Systeme“ zu verteidigen, aber tatsächlich wollen einige von ihnen Hongkong eisern kontrollieren.

Zweitens: Meine Vorschläge sind kein Riesenschritt zu weit größerer Demokratie; sie waren vielmehr der Versuch sicherzustellen, daß ein bereits beschlossener Prozeß der Demokratisierung glaubwürdig ist. Man kann Wahlen so organisieren, daß dabei eine verfälschte Legislative herauskommt, die zu allem ja und amen sagt; man kann sie aber auch so durchführen, daß die Legislative den Wählerwillen widerspiegelt. Ich meine, es ist wichtig, letzteres sicherzustellen. Schließlich ein dritter Faktor: Es gibt ein Maß an Mißtrauen, das zusammen mit einer ziemlich altmodischen Haltung eine Überreaktion ausgelöst hat.

ZEIT: Glauben Sie, daß Ihre Vorschläge in Hongkong richtig verstanden worden sind?

Patten: Von den Menschen in Hongkong werde ich verstanden. Die Unterstützung, die die Umfragen zeigen, ist beträchtlich. Sechzig bis siebzig Prozent sind mit mir einverstanden – so etwas habe ich in der europäischen Politik nie erlebt.