Ach, Helmut. Wie haben wir wieder gelitten!

Unser Mann in Tokio. G-7 statt GSG9, Kronprinzessin Masako statt Rita Süssmuth, Gipfelluft statt Karenztagsniederungen. Wie hatten wir, zurückgelassen im deutschen Frühherbst mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger und der omelettfarbenen Schloßkulisse, uns gefreut auf die Bilder des Glücks aus dem Land des Lächelns.

Und dann dieses. Japans Ministerpräsident Miyazawa (drei von dieser Sorte müßten schon her, um unseren Kanzler aufzuwiegen) bat die Herren der Welt, Platz zu nehmen. Aber in den Sessel, der für Helmut Kohl vorgesehen war, hätten eben nur zwei japanische Äquivalente gepaßt. Mit Mühe nur konnte der Kanzler das Möbelstück abschütteln, verärgert. Stühlerücken, Sesselwechsel.

Uns hat man ja nicht gefragt. Dann hätten wir den Rat gegeben, das verstimmte Übergewicht nun schleunigst in eine Karaoke-Bar zu chauffieren: Dort kann man, bei Genuß von Bier und Whisky und assistiert von freundlichen Japanerinnen, von einer Menükarte seine Lieblingsmelodie auswählen, die auf Knopfdruck von einem Bildschirm tönt und flimmert. Dann ein Mikro in die Hand und selber mitsingen! Zum Beispiel Brahms’ „Wiegenlied“.

Aber leider, leider kam man dem Mann aus der Pfalz mit der Küche des Gastlandes: Sushi, Sashimi, Tempura, Tofu, Sukiyaki und wie alle diese wunderbaren und zierlich zubereiteten Dinge heißen. Stäbchen? Nein danke! Helmut Kohl eilte zum Italiener. Messer, Gabel, Löffel her!!! „Wir haben wichtige Schritte zur Konsolidierung des Haushalts unternommen“, sagte er zum Abschluß, maulend, stehend.

Aber dann hatte Boris Jelzin die Idee, seinem zahlenden Freund Helmut für die Rückreise einen gemütsstabilisierenden Stopover am Baikalsee vorzuschlagen. Ein ganzes Hotel war gemietet, 116 Zimmer, viele Sitzgelegenheiten. Die Herren besuchten: ein Dampfbad, schwammen im Baikalsee, fuhren zum Angeln. Und wir, immer noch im Frühherbst etc., durften endlich die Bilder vom glücklichen Kanzler sehen: Bequem sitzend an Bord des Boots auf dem Baikalsee, die beiden Herren in jenen Freizeithemden mit Halbarm, die frei flatternd über dem Hosenbund zu tragen sind.

Helmut und Boris am Baikalsee: Da stimmt einfach wieder alles, Hemd und Hose, Essen und Trinken, Gesäß und Sitzfläche. Und Tokio? Ausgesessen und vergessen. Finis