Eines Abends kommt der japanische Roboterforscher Isao Shimoyama nach Hause, den Kopf noch voll mit den Problemen im Labor. Er sieht, wie seine Frau Yuko wieder eines jener Papiergebilde faltet, die sie so gerne an Freunde aus dem Ausland verschenkt: Sie ist eine Meisterin des Origami. Blitzartig wird Shimoyama klar: Dies ist die Lösung!

In der Folgezeit beginnt er, mikroskopische Roboterelemente aus hauchdünnen Schichten zu falten. Er wird damit international bekannt, und wenn er nicht gestorben ist...

Ein modernes Märchen? Vielleicht. Doch die Kreuzung aus traditioneller Papierfaltkunst, zeitgenössischer Mikrotechnik und futuristischen Projekten ist tatsächlich im Fachbereich Mechano-Informatik der Universität Tokio zu besichtigen.

Der 38jährige Maschinenbau-Ingenieur Shimoyama und sein international bekannter Mentor, Professor Hirofumi Miura, haben jahrelang Roboter in Normalgröße konstruiert. Seit einiger Zeit interessieren sie sich vornehmlich für die Idee, klitzekleine Roboter zu bauen – so winzig, daß sich Flöhe daneben wie Riesenviecher ausnähmen.

Über derartige Mikroroboter ist in den Medien schon viel phantasiert worden. Etwa daß sie eines Tages in Blutgefäße injiziert werden könnten, um diese von innen her freizuschaben, oder daß sie, zu Tausenden oder gar Millionen billig hergestellt, wie die Heinzelmännchen putzen, feilen und montieren könnten.

Solcherlei Nutztierchen stehen indes noch längst nicht auf dem Programm der Mikrorobotiker. Shimoyama und einige andere Kollegen in Japan und in den USA betreiben Grundlagenforschung, und die praktischen Probleme der Zunft sind noch beträchtlich. Superfeinmechaniker, die Konstruktionen aus Laschen, Ösen und Zahnrädchen in Submillimetergröße zusammenpfriemeln, scheitern beispielsweise immer wieder an der vermaledeiten Reibung, denn leider gilt das Gesetz: Je kleiner ein Gelenk, desto stärker wird es von Reibung gehemmt. Außerdem ist es, vorsichtig ausgedrückt, ausgesprochen schwierig, derart feine dreidimensionale Gebilde anzufertigen, und wenn es gelingt, halten sie meist nicht lange.