Von Ralf Neubauer

Aus seiner Meinung über Johannes Peine hat Treuhand-Vorstand Klaus Schucht nie einen Hehl gemacht. Kein Übernahmeangebot, das der westfälische Unternehmer zur Rettung des Kaliwerkes Bischofferode unterbreitete, konnte den Privatisierer überzeugen. Er habe bereits "zu viele Windeier" erlebt und wolle auf jeden Fall eine "hochrisikoreiche Privatisierung" vermeiden, betonte Schucht, bevor das Peine-Konzept überhaupt abschließend begutachtet worden war.

Der Treuhand-Manager hätte gar nicht vorbauen müssen. Das von der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuarbeit erstellte Gutachten fiel ganz in seinem Sinne aus: Das Unternehmenskonzept der Peine-Gruppe führe nicht dazu, "daß die nachhaltige Unternehmensfortführung des Kalibergwerkes Bischofferode als wahrscheinlich angesehen werden kann", urteilten die als neutral geltenden Treuarbeit-Experten.

Das Schicksal der verbliebenen 700 Kalikumpel in Bischofferode war damit eigentlich besiegelt. Denn in der von Klaus Schucht bevorzugten Verschmelzung der BASF-Tochter Kali + Salz AG in Kassel mit der treuhandeigenen Mitteldeutschen Kali AG (MdK) in Sondershausen ist für das Bergwerk am Rande des Südharzes kein Platz. Von Anfang an sah das Fusionskonzept vor, den Betrieb bis Ende dieses Jahres stillzulegen. Erst als Johannes Peine Ende März bei der Treuhandanstalt auftauchte und ein offizielles Kaufangebot unterbreitete, keimte bei den Kumpeln Hoffnung. Etwas verfrüht, wie das Ende Juni vorgelegte Treuarbeit-Gutachten zeigte.

Klaus Schucht durfte sich jedenfalls bestätigt fühlen. Die Fusion der beiden Kalifirmen zu einem gesamtdeutschen Monopolunternehmen konnte die vorletzte Hürde nehmen. Am Dienstag vergangener Woche gab Bundesfinanzminister Theo Waigel sein Plazet.

Gewonnen hat Schucht die Pokerpartie damit aber noch immer nicht. Zum einen könnte ihm die EG-Kartellbehörde, die der Fusion zustimmen muß, noch einen Strich durch die Rechnung machen. Zum anderen gewinnt der Protest der um ihre Existenz kämpfenden Kalikumpel täglich an Dynamik: "Mit so viel Widerstand haben wir nicht gerechnet", sagt ein Treuhand-Mitarbeiter.

Dabei war die deutsch-deutsche Kaliehe immer umstritten. So ist der Vorwurf, die Treuhandanstalt saniere mit Steuergeldern einen Westkonzern, keinesfalls neu. Was der Kritik jetzt eine neue Qualität gibt, sind vielmehr ihre prominenten Protagonisten. Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel entdeckte im Kalistreit gar "die häßliche Fratze des Kapitalismus". Für einen konservativen Regierungschef waren dies ungewohnt klassenkämpferische Töne.