Vermutlich ist es nicht nur ein Beruf, sondern doch schon Berufung. Günter Verheugen war Geschäftsführer, er ist es und soll es wieder werden. Angefangen hat das bei der FDP, wo er zum Bundesgeschäftsführer avancierte, später zum Generalsekretär. 1982 wechselte er aus Enttäuschung über das Wendemanöver seiner Partei zur SPD, wo er es zum parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführer brachte. Und nun wird er vom Vorsitzenden Rudolf Scharping zum Bundesgeschäftsführer befördert. Eine ungewöhnliche Karriere, Verheugen als der Geschäftsführer an und für sich.

Sein Vorgänger, Karlheinz Blessing, bemüht sich um ein Bundestagsmandat. Verheugen – vielseitig und kompetent – ist ein liberaler Sozialdemokrat oder ein sozialdemokratischer Liberaler, was keinen großen Unterschied ausmachen dürfte. Jedenfalls ist er kein Flügelmann. Der berufene Geschäftsführer – das ist keine Notlösung, sondern ein kluger Schachzug Scharpings.

Das Sommerloch, hab es selig, gibt es nicht mehr. Die politikfreien Zeiten sind dahin. In Bonn schwindet die Lust an künstlich inszenierten Dramen; aber das Interesse an den wirklichen Dramen wächst deshalb noch lange nicht. Da wären zum Beispiel Bischofferode und der Hungerstreik der Kali-Kumpel. Oder: die Hilferufe der Asylsuchenden in Frankfurt und Köln, die jüngsten Brandanschläge in Aachen und Oberhausen gegen Türken und Libanesen. Natürlich hat die Mehrheit des Parlaments – aus den Ferien zurückgekehrt, weil Manfred Kanther verochg werden sollte den antrag der PDS sofort abgeschmettert, über Bischofferode zu debattieren. Die CDU sah darin „keinen Beitrag zur Lösung des Problems“, die SPD wurmte, daß die „Rechtsnachfolgerin der SED“ sich zum Anwalt der Benachteiligten aufspiele. So sind die Rollen und die Rituale, zu jeder Jahreszeit. Schade.

Kürzlich hat eine Zeitung die übliche Sommerumfrage bei Ministern gemacht, wer wo seinen Urlaub verbringe. Erstmals seit langen Jahren ertappt man sich selber dabei, überrascht zu sein von einigen der Namen, die zu diesem Kabinett zählen. Sie können sich ja auch demnächst schon wieder ändern. Damit ist bald ein idealer Zustand erreicht: Die Minister machen Ferien, keiner merkt’s. Gunter Hofmann