Von Brent Scowcroft

NEW YORK. – Zum ersten Mal seit Hitler versucht kein selbsterklärter Weltdiktator die herrschende Ordnung zu stürzen. Die Vereinigten Staaten haben daher die Gelegenheit, die Weltordnung stärker mit jenen Werten in Einklang zu bringen, die wir seit zwei Dekaden hochhalten.

Statt dessen lassen wir uns diese Chance durch die Finger rinnen. Einige sind der Meinung, wir hätten die Last des Weltpolizisten lang genug getragen und brauchten keinen großen militärischen Apparat mehr.

Diese Haltung aber führt in die Irre. Nicht nur geht Verantwortung mit Macht einher; viele Amerikaner fühlen sich auch ihren Mitmenschen verpflichtet. Zudem zwingen uns praktische, ja egoistische Gründe zum Handeln. Niemals war Amerika in seinem Wohlstand abhängiger vom Ausland. Weltwirtschaft und globaler Umweltschutz kennen per Definition keine Grenzen, verlangen aber ein gekonntes Krisenmanagement.

Eine bessere Welt kann nur das Ergebnis einer aufgeklärten Führerschaft sein. Ob es uns gefällt oder nicht: Nur die Vereinigten Staaten sind dazu in der Lage. Keine andere Nation, keine internationale Organisation hat den Weitblick, genießt das Ansehen und besitzt die Möglichkeiten, überall in der Welt aktiv zu werden. Wenn sie auf sich allein gestellt bleibt, wird die Geschichte uns noch einige unerfreuliche Überraschungen bereithalten.

Sicher, die Vereinigten Staaten können nicht der alleinige Weltpolizist sein. Dies ist auch kein Aufruf für einen Unilateralismus. Aber Multilateralismus ist keine Alternative, wenn daraus eine Entschuldigung für Nichthandeln wird. Das haben die Golfkrise und Somalia gezeigt.

Der Einsatz in Somalia hat sich als schwieriger herausgestellt, als ursprünglich angenommen. Dennoch können die Vereinigten Staaten stolz auf die Rolle sein, die sie unter der Oberhoheit der Vereinten Nationen bei der Operation „Restore Hope“ spielen.