Mit einem Schädelbasisbruch holte man ihn morgens gegen zwei von der Straße. Im Krankenhaus merkte er erst ganz allmählich, wo er eigentlich war; überall war es weiß, und die weißen Kittel schienen aus dem ganzen Weiß hervorzutreten und wieder darin aufzugehen. Die Stationsschwester hieß Agnes, und nach einer Woche wußte sie so ungefähr, wer das war, den sie immerhin von oben bis unten ziemlich genau kannte.

Erwin war sein Vorname. Die ganze Woche hatte er nur phantasiert, ging sogar mit einem Schiff unter, kam aber wieder hoch. Dann fing er richtig an zu sprechen, und Schwester Agnes erfuhr, daß seinen Platz im Männerwohnheim jetzt wohl jemand anderer hätte, er wäre ja sowieso meistens draußen gewesen, auf Bänken, oder da, wo man länger sitzen könne, und daß alle, die er kennt, immer gesagt hätten, bleib doch sitzen, und weitergetrunken hätten. Worüber sollte er auch reden, wenn die ihre Lippen dabei nicht von den Flaschen kriegten. Und redete er, waren die Gedanken, die er gehabt hatte, gleich wieder weg. Manche davon konnte er aber noch zurückholen und aufbewahren.

Und Schwester Agnes sagte sich wie zum Trost, daß ihr geschiedener Mann sogar beim Essen reden mußte, und beim Trinken erst recht, und wer so viel redete, der glaube doch, alles besser zu wissen. Und Schwester Agnes fand, daß Erwins schwarze Haare wieder glänzten, und seine Augen auch, wenn sie da war, und er dann nicht wie zweiundvierzig aussah, sondern zehn Jahre jünger. Und der Stationsarzt sagte zu ihr, daß sie ruhig mehr reden solle als früher.

Erwins Sachen kamen einen Tag vor seiner Entlassung aus der Reinigung, und Schwester Agnes hatte ihm vorher noch gesagt, daß sie aus einem Brotladen eine Wohnung gemacht habe mit Garten zum Hof hin, und am Ende der Parallelstraße stünde auch eine Bank. Schwester Agnes wollte da aber nicht nach ihm sehen. Er kam auch ganz von selbst, das war am nächsten Sonntag nachmittag.

Erwin setzte sich auf einen Gartenstuhl. Und Schwester Agnes beschloß, eine Gartenbank zu kaufen, und Erwin fing einfach an, irgendwas zu reparieren, und machte sich Gedanken wegen der Einbruchsgefahr und sagte, was gemacht werden müsse, und daß er seinen Schlafplatz im Männerwohnheim wiederhätte.

Schwester Agnes weiß, daß Erwin öfter auf der Bank am Ende der Parallelstraße sitzt und Dosenbier trinkt, und die anderen, die neben ihm sitzen, denken, daß er trinkt, um bei ihnen zu bleiben und damit sie nicht mehr sagen müssen: Bleib doch sitzen!

Aber er geht dann doch und sagt auch nichts, und sagt erst recht nicht, daß Schwester Agnes ihm geraten hat, Bier zu trinken, damit er wieder etwas zunimmt.