Lieben Sie Bobrowski?" fragte eine heiratswillige Junggermanistin am 29. September 1967 in der ZEIT und offerierte ihrem Zukünftigen "Geschmack" und "Sensibilität". Der unscheinbare kleine Zeitungsausriß findet sich in der ersten Vitrine der Ausstellung, die das Marbacher Literaturarchiv dem Leben und Werk des 1965 im Alter von nur 48 Jahren gestorbenen Lyrikers und Prosaautors Johannes Bobrowski widmet.

Mit Bobrowski als literarischem Zahlungsmittel ließe sich heute kein Partner mehr ködern. Das Werk dieses Schriftstellers, der einst als Grenzgänger zwischen den beiden deutschen Staaten Furore machte, ist uns ferner gerückt, als das Vierteljahrhundert vermuten läßt, das uns von seinem Tod trennt. Gerade diese Fremdheit aber macht neugierig auf das, was in Marbach zu sehen ist.