Ungewöhnliche Großzügigkeit legen Deutsche Bank und Dresdner Bank an den Tag: Glatte zwanzig Mark zahlen beide Institute ihren Kunden zurück, wenn sie die Airplus-Karte der Lufthansa – die von ihnen betreut wird – kräftig einsetzen. Stolze 40 000 Mark Jahresumsatz müssen es freilich sein, bis die Finanzmogule bare Münze herausrücken. Doch auch wer mindestens 20 000 Mark per Plastikgeld in Hotels und Restaurants, in Geschäften und bei Autovermietern bezahlt oder aber Lufthansa-Senior-Mitglied ist, fährt noch günstig: Die Kärtchen gibts dann gratis.

Die Freigebigkeit kommt jedoch nicht von ungefähr. Seit Banken und Sparkassen nicht nur die Eurocard mit eigenem Logo herausgeben, sondern zunehmend auch das Visa-Zeichen in ihre Kärtchen prägen, ist der Markt eng geworden. Reisefreudige Kunden tragen mindestens schon zwei Kreditkarten in ihrer Brieftasche, die wenigsten satteln allein wegen des Namens auf eine andere Karte um.

Mitte der achtziger Jahre hatten die vier großen Anbieter Eurocard, American Express, Visa und Diners Club gerade erst eine halbe Million Karten unters deutsche Volk gebracht, die Zuwachszahlen waren eher mäßig. Massive Werbeanstrengungen, aber auch die geringe Flexibilität des Eurocheques sorgten dann jedoch für schnelles Wachstum: Heute sind allein mit dem Eurocard-Logo mehr als fünf Millionen Karten ausgegeben.

Inzwischen wächst jedoch auch die Begehrlichkeit der Institute. Vom Plastikgeld will man – zumindest mittelfristig – kräftig profitieren. Über die Jahresgebühr ist diese Möglichkeit aufgrund des starken Konkurrenzkampfes zwar begrenzt, auch bei der Umsatzprovision sind Erhöhungen angesichts des Widerstands im Handel kaum durchsetzbar. Doch die findigen Banken haben neue Quellen gefunden: Einige Visa-Banken haben nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, aber rechtzeitig vor der Urlaubssaison ihre Umrechnungsgebühren für Fremdwährungszahlungen erhöht. So schlägt etwa die BHW-Bank auf Auslandsumsätze ihrer Visa-Karte jetzt 1,5 Prozent nach bisher 1,0 Prozent auf, die Banco de Santander verlangt bei den von ihr betreuten Visa-Kartenprogrammen 1,75 Prozent, und die Barclay’s Bank – Werbeslogan: Das starke Doppel – bedient sich sogar gleich mit 2,0 Prozent von jeder im Ausland vorgenommenen Transaktion. Zudem wurde hier die Kartengebühr von 65 auf 80 Mark heraufgesetzt.

Gestiegene Kosten und erhöhte Mißbrauchsgefahren machten den Schritt trotz der vom Handel zu bezahlenden Provisionen von durchschnittlich drei Prozent, so die Banken unisono, notwendig.

Doch auch heimliche Verteuerungen sind durchaus an der Tagesordnung: Wer den Werbeslogans der Karten-Emittenten vertraut und auf sein Visa-Konto ein Gutachten einzahlt, bekommt zwar zwischen vier und sechs Prozent Zinsen, mit jeder Kartenzahlung wird der Guthabensaldo jedoch reduziert. In Diskussion ist zudem auch, alle Kartenumsätze wie etwa bei der Noris-Bank sofort dem Kunden-Girokonto zu belasten, also nicht mehr per Monatsbeleg abzurechnen. Das führt beim Kunden zu Zusatzkosten: Neben 30 bis 150 Mark Jahresgebühr für die Karte fallen dann oft auch noch Postengebühren für jede Buchung sowie Sollzinsen an. Die Vorteile der späten monatlichen Abrechnung schmelzen dahin.

Gleiches wird mit der „guten alten“ Eurocheque-Karte längst praktiziert: Bereits mehr als 8000 Electronic-Cash-Terminals sind bereits bundesweit installiert, der Karteninhaber zahlt seine Rechnung lediglich durch Einschieben der Karte in ein Lesegerät und Eingeben der Kontonummer. Unkompliziert ist das Verfahren allemal, jedoch zahlt für jede Transaktion nicht nur der Händler einen Obolus von durchschnittlich knapp einem Prozent, sondern auch der Kunde eine Buchungsgebühr von meist vierzig bis fünfzig Pfennig pro Transaktion. Allemal billiger wird es mithin, vor dem ausgedehnten Einkaufsbummel einen größeren Bargeldbetrag am Geldausgabeautomaten abzuheben und den Händler wie in der guten alten Zeit mit Scheinen und Münzen zu entgelten.