Einem Halunken, einem Bösewicht, einem, der nicht nur der gefährlichste Räuber aller Zeiten, sondern noch dazu ein Ausbund an Unverschämtheit ist, verdanke ich meinen Erfolg.

In den vergangenen drei Jahren habe ich Deutsch gelernt, was im Alter von 38 bis 41 Jahren keine Heldentat, aber auch keine Leichtigkeit ist. Und mein verbrecherischer Freund ist immer dabeigewesen. Seine Name ist: Hotzenplotz. Im November 1990 lernte ich den Räuber Hotzenplotz kennen. Er lag auf der Lauer, unter ein paar anderen deutschen Büchern, in einer Buchhandlung in Charlottesville, Virginia.

Damals konnte ich kaum Deutsch, obwohl ich schon sechs Reisen nach Deutschland und einen Deutschkurs an einer Uni hinter mir hatte. Seit Jahren hatte ich dazu auch ein Buch namens, ach!, „Deutsch ohne Mühe“ durchaus studiert, mit heißem Bemühen. Doch – der deutschen Sprache gegenüber stand ich da so klug als wie zuvor.

Zwar sprach ich schon das berühmte „bißchen“. Manchmal mit peinlichen Ergebnissen. Ich erinnere mich gut daran, wie ein wohlwollender Herr mich in München bestürzt musterte, als ich ihn auf der Straße fragte (genau wie ich es in „Deutsch ohne Mühe“ gelernt hatte): „Entschuldigen Sie mich, mein Herr. Kennen Sie die Stadt gut?“

„Ich glaube, ja“, erwiderte er mit einem verwunderten Blick.

„Wo haben wir die Post?“

Leider hat mich „Deutsch ohne Mühe“ nicht davor gewarnt, daß Hören und Verstehen zweierlei sind. Ich verstand kein Wort seiner Antwort. Und als ich ihn verwirrt anstarrte, hatte er es plötzlich eilig.