Tiefe Krater, kilometerlange Geröllfelder, verschlammte Flüsse – ein Flug über das Gebiet um die Stadt Pailin im Nordwesten Kambodschas an der thailändischen Grenze ist sicher nichts für die Liebhaber von Tropenwaldidyllen. Denn dort, im Zentrum der von den Roten Khmer „befreiten“ Gebiete, sind die Genossen Pol Pots kräftig dabei, jenes Werk zu beenden, das sie Mitte der siebziger Jahre begonnen haben: die wirtschaftliche Basis des Landes zu zerstören.

Ohne Rücksicht auf die Natur lassen die Roten Khmer dort Wälder abholzen und Berge wegsprengen – um mit dem Verkauf von Holz und Edelsteinen ihre Kriegskasse zu füllen. Und sie sind dabei recht erfolgreich, meint der französische Kambodscha-Spezialist Christian Lechervy: Allein das Holz hätte ihnen seit Ende 1989 über hundert Millionen Dollar eingebracht, schätzt er in dem Buch „Les Cambodgiens face à eux memes?“

Ganz im Gegensatz zu ihrer Ideologie, berichtet Lechervy, gehen die Roten Khmer dabei ultrakapitalistisch vor: Sie verkaufen etwa Schlagkonzessionen an thailändische Unternehmen, die sich dann selbst um die nötige Infrastruktur kümmern. Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Far Eastern Economic Review sind um die Städte Pailin, Sisophon und Preah Vihear mehr als ein Dutzend solcher Gesellschaften aktiv, meist kontrolliert von thailändischen Generälen.

Das Geschäft mit dem Holz gefährdet aber nicht nur den unersetzlichen Tropenwald, sondern auch den Tonlé Sap im Zentrum Kambodschas, einen der fischreichsten Seen der Erde. Weil die Bäume um das Gewässer langsam, aber sicher fallen, verstärkt sich die Bodenerosion, und der See wird immer flacher. Wenn nichts dagegen unternommen wird, dürfte das landwirtschaftliche Herz Kambodschas allmählich austrocknen.

Nicht zuletzt deswegen haben die Vereinten Nationen den Handel mit den Roten Khmer verboten. Doch das Embargo, seit Anfang des Jahres in Kraft, wird kaum beachtet. Augenzeugen berichten, daß viele der großen, mit den Stämmen beladenen Tracks jetzt über Laos nach Thailand fahren. Was die Edelsteine – vor allem Saphire und Rubine – angeht, kommen die Sanktionen den Roten Khmer ganz gelegen: Die Preise steigen. ls