Erich Fromms hehre Weisheiten aus Teenagermund: Wie geht das zusammen? Da fährt ein roter Pkw durch eine grüne Landschaft, und aus dem Off sagt eine Stimme: „Es gibt kaum ein anderes menschliches Vorhaben, das mit schwindelerregenderer Hoffnung angefangen wird und doch so regelmäßig mißlingt wie ein Liebesverhältnis.“ Die Stimme gehört nicht etwa einem dozierenden Erwachsenen, sondern einem 13jährigen Mädchen, schwarzhaarig und mit sprühenden braunen Augen: Frida.

Frida ist der Dreh- und Angelpunkt dieses norwegischen Films, der auf einer erfolgreichen Fernsehserie beruht und von der Osloer Regisseurin Berit Nesheim in eine sensibel erzählte Kinofassung gebracht wurde. Respektlos, wie Frida, dieses altklug-kluge Energiebündel, nun einmal ist, mischt sie sich in alles ein, was ihr nicht im Lot erscheint. Die geschiedene Mutter sehnt sich nach Zweisamkeit, also gibt Frida eine Heiratsanzeige für sie auf; in der Schule weist sie ihren autoritären Lehrer mit einem (dreimal dürfen wir raten) Fromm-Zitat in die Schranken, und einen melancholischen Schriftsteller will sie unbedingt vom Glück der Liebe überzeugen.

Das sucht sie selbstverständlich auch selber. Ihr Ferienschwarm Raimund wird rasch durch Andreas, einen blasierten Klaviervirtuosen, abgelöst, bis sie Martin trifft, der ihr den ersten Kuß entlockt. Frida hat eben „Simultankapazität“, das muß auch ihr Schulfreund Kristian immer wieder feststellen, der sie anhimmelt, doch nur ihre Schularbeiten machen darf. Natürlich geht bei Frida auch einiges daneben, und das Frommsche Diktum „Liebe dich und alle anderen“ bricht in der Praxis wie ein Kartenhaus zusammen. Das hört sich dann so an: „Die Liebe ist total doof, so blöd, sie verführt einen nur. Ich habe es jedenfalls aufgegeben.“

„Frida“ ist ein unspektakulärer Film, kaum zu vergleichen mit französischen Teenagerfilmen wie etwa „La Boum“ (von deutschen Teenagerfilmen fehlt derzeit ohnehin jede Spur), weil er die Welt der Jugendlichen zeigt, wie sie ist, und den Erwachsenen fast genausoviel Eigenleben einräumt wie den Jungen. Und, vor allem: Der Charme von Maria Kvalheim als Frida ist einfach umwerfend.

Anne Frederiksen