In dieser Woche erreichte der Deutsche Aktienindex (Dax) neue Jahreshöchststände. Selbst die Spitzenkurse des Vorjahres wurden inzwischen deutlich überschritten. Käufer waren wiederum vor allem Ausländer, zuletzt vor allem von der Wall Street, wo institutionelle Investoren Interesse an deutschen Aktien zeigen. Die Ausländer setzten darauf, daß die Konjunktur in Deutschland spätestens im kommenden Frühjahr wieder anspringt. In dieser Hinsicht sind sie optimistischer als viele einheimische Anleger, die wiederum den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den Aktienmarkt verpaßt haben und nun auf einen Rückschlag oder zumindest auf eine deutliche Konsolidierungsphase warten, um das Versäumte nachzuholen.

Als aussichtsreiche Geldanlage bleibt derzeit nur der Aktienmarkt, denn die Rendite der festverzinslichen Papiere ist inzwischen so weit gesunken, daß sie – nach Steuern – nicht mehr die Inflationsrate deckt. Bei den fünfjährigen Bundesobligationen beträgt die Rendite lediglich 5,97 Prozent.

Die nach wie vor sehr liquiden inländischen Anleger, vor allem auch, die Fonds, parken ihr Geld vorzugsweise in Termineinlagen. Dabei wird jeder noch so kleine Rückschlag an der Börse für den Umstieg auf Aktien genutzt. Das hat bisher größere Kurseinbrüche verhindert.

Gekauft werden vornehmlich die im Dax enthaltenen Spitzenwerte des deutschen Marktes. Die Bankaktien sind allerdings in jüngster Zeit etwas ins Hintertreffen geraten. Die Zinssenkungsphantasie hat sich abgekühlt, von einer unmittelbar bevorstehenden Leitzinssenkung spricht in den Börsensälen niemand mehr. Statt dessen konzentriert sich das Interesse auf ausgewählte Industriewerte.

Trotz rückläufiger Produktions- und Verkaufszahlen wurden Autopapiere weiterhin gekauft – mit Ausnahme von VW-Aktien, die immer deutlicher unter dem López-Malus zu leiden beginnen. Die Papiere der Großchemie profitieren weiterhin von dem erstarkten Dollar. Zu einer Sonderbewegung kam es bei BASF wegen einer Vereinbarung mit dem russischen Unternehmen Gazprom über den Bau von Chemieanlagen.

Siemens-Aktien, längere Zeit wenig beachtet, beginnen jetzt aufzuholen. Dazu trägt der Gewinnanstieg bei, den Siemens für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres melden konnte. Mehr beachtet werden neuerdings auch die Versorgungswerte. Sie gelten als Hauptnutznießer der ab 1994 gesenkten Körperschaftsteuer, weil sie ihre Erträge im wesentlichen im Inland erwirtschaften. Das trifft auch auf die Kaufhäuser zu, deren Kurs trotz rückläufiger Einzelhandelsumsätze immer wieder Ansätze für einen steigenden Trend zeigen. K. W.