Faust“, der Tragödie zweiter Teil. Erster Akt, Kaiserliche Pfalz. Es sieht nicht gut aus, nein: „Wer schaut hinab von diesem hohen Raum / Ins weite Reich, ihm scheint’s ein schwerer Traum, / Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet, / Das Ungesetz gesetzlich überwaltet, / Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet.“

Im wesentlichen mangelt es an Geld: „Wir wollen alle Tage sparen / Und brauchen alle Tage mehr.“ Was tun? „Entschlüsse sind nicht zu vermeiden; / Wenn alle schädigen, alle leiden, / Geht selbst die Majestät zu Raub.“

Verse, vor langer Zeit gedichtet und nicht zum Beispiel unter dem Eindruck des majestätischen Berliner Senatsbeschlusses, das Schiller-Theater zu rauben – Pardon, zu schließen.

Am Freitag letzter Woche freute sich übrigens der künstlerische Direktor der geschlossenen (aber besetzten) Staatsbühnen, einer Runde von Journalisten mitteilen zu können, „daß Frau Marianne Hoppe mit einem Jahresvertrag ans Schiller-Theater zurückkehrt“. Der Besuch der alten Dame auf der leeren Bühne: ein schwerer Traum.

Auch auf der Besetzungsliste für Einar Schleefs „Faust“-Inszenierung, ursprünglich als Eröffnungspremiere für die nächste Schiller-Spielzeit vorgesehen, erscheint geisterhaft Frau Hoppe. Zur Presseprobe in Moabit, eilig einberufen aus Furcht vor einem völligen Mangel an Öffentlichkeit (mangels Bühne), erscheint sie nicht. Sie sei schon im Urlaub. Welche Rolle sie übernehmen werde, stehe noch nicht fest, aber mitspielen werde sie.

Anders als andere Mimen aus dem Ensemble des Schiller-Theaters. Trotzig probt Einar Schleef in den Theaterferien gegen die Theaterschließung an – mit einer großenteils „externen Gruppe“. Die fest engagierten, gutbezahlten Kollegen „wollten die Ferien nicht verlegen“, erläutert Einar Schleef. Ein deutscher Staatsschauspieler trotzt der Schließung seines Theaters auch aus der Ferne; notfalls am Strand.

Aber alle sind geschädigt, und alle leiden, irgendwie. Nur Einar Schleef leistet sich ein größeres, ein nicht so taktisches Leiden: Er leidet an allen. Eben noch das herbe Ende seiner Arbeit am Berliner Ensemble, dem er mit „Wessis in Weimar“ die einzige unumstritten spektakuläre Inszenierung der Spielzeit geliefert hat. Seinen Gegenspieler und Hauptfeind, berichtet Schleef, den BE-Viertelintendanten Peter Zadek, habe er „außer einem einzigen Mal ,Guten Tag‘ nie gesehen“, dafür aber auf seinem Bankkonto plötzlich eine „astronomische Summe“ entdeckt und seine Bank gefragt, ob das ein Druckfehler sei. Antwort: Die Summe sei korrekt und komme vom Berliner Ensemble. Wohlgemerkt: damit er nicht dort arbeite.