Die deutsch-deutschen Beziehungen funktionierten bis zum Ende der DDR dort am besten, wo sie sich im Verborgenen abspielten. Makler in diesem Geschäft waren Männer wie Wolfgang Vogel, Manfred Stolpe und Alexander Schalck-Golodkowski. Sie hatten außergewöhnliche Freiräume und waren – wegen ihrer Kenntnisse und ihrer Exotik – auch im Westen begehrte Gesprächspartner. Über ihre Integrität sagt das jedoch nichts.

Insbesondere der Freikauf von 34 000 politischen Häftlingen und die Ausreise von 250 000 Bürgern spielten sich nach Regeln ab, die mit den Gesetzen der DDR wenig zu tun hatten. Die Grenzen zwischen Humanität und Illegalität verschwammen, wie im Dritten Reich. Das heißt aber nicht, daß nun alles hingenommen werden muß, was diese Grenzen eindeutig verletzte.

Erpressung unzähliger Mandanten, Steuerhinterziehung in mehrfacher Millionenhöhe, Meineid vor Gericht – das sind schwerwiegende Vorwürfe gegen den Anwalt Wolfgang Vogel, der am Montag dieser Woche zum zweiten Mal verhaftet wurde. Sie sind allein durch die Dankschreiben derer, denen er geholfen hat, nicht zu entkräften. Ihnen muß nachgegangen werden. naw