Es zeigt sich in der Stadt keine braune, keine schwarze Uniform an diesem Tag. Nicht nur mir fällt auf: Die Herren über Tod und Leben, ihre Büttel und Paladine, haben sich vor dem Volk verkrochen.

Aber es passiert auch nicht, was ich mir wünsche. Kein Sturm bricht los gegen die, die lieber alles mit sich in den Abgrund reißen, als ihre Niederlage eingestehen und abtreten, damit es endlich Frieden werde. Kein Rathaus wird gestürmt, keine Bonzenburg am Harvestehuderweg, weder das Stadthaus an der Bleichenbrücke, Festung der Gestapo, noch das Wehrbezirkskommando in der Knochenhauerstraße alias Sophienterrasse, Bastion der Gehorsamsfetischisten und Heldenklauer. Keine Scheibe in diesen Machtbollwerken des Systems geht zu Bruch, obwohl sie alle, alle, Zufall oder Absicht, von Phosphorregen und Bombenhagel verschont geblieben sind. Es gibt keinen Mut der Verzweifelten, es gibt nur Lethargie, Untertanenohnmacht und die groteske Hoffnung auf die ‚Einsicht der da oben’.

So beschreibt der Hamburger Rundfunkredakteur Uwe Storjohann in seinen sehr lesenswerten Erinnerungen „Hauptsache: Überleben“ (Eine Jugend im Krieg 1936-1945; Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1993; 219 S., 24,80 DM) die Situation in der Hansestadt nach den großen Luftangriffen Ende Juli 1943.

Volker Ullrich