Je schwerer die Krankheit, desto größer die Freude über Anzeichen einer Besserung, seien sie auch noch so gering. Doch ist die kranke deutsche Volkswirtschaft schon auf dem Wege der Genesung, nur weil die Auftragseingänge in Industrie und Handwerk zum ersten Mal wieder leicht zugenommen haben, die Produktion geringfügig gewachsen ist und mancher Unternehmer zur Zeit nicht mehr ganz so düster in die Zukunft blickt?

Die von Doktor Helmut Kohl und seinen ökonomischen Heilkundlern verabreichten Placebos wie die neue Arbeitszeitordnung oder der angebliche Durchbruch zur Liberalisierung des Welthandels werden nur wenig zur Gesundung beitragen können. Wirkungsvoller sind da schon die niedrigeren Zinsen, auch wenn die Dosis noch zu gering ist, und die Senkung der Unternehmenssteuern. Doch der Patient ist noch nicht über den Berg, das übelste Symptom im Krankheitsbild, die Arbeitslosigkeit, breitet sich vielmehr noch aus. Und schon droht neue Ansteckung vom Nachbarn Frankreich, der die Crisis noch vor sich hat. Ein Absinken der Fieberkurve bedeutet noch keine Heilung, ein Rückfall ist nicht ausgeschlossen. whz