Kunden des Reiseunternehmens MP Travel Line brauchen vorerst nicht um ihren Urlaub zu fürchten. Eine neue Gesellschaft will für alle Forderungen eintreten und lockt weiterhin mit Billigangeboten.

Für manchen kam die Hiobsbotschaft kurz vor dem Urlaub: Wegen finanzieller Schwierigkeiten meldete MP Travel Line vor drei Wochen Vergleich an. 50 000 Deutsche mußten um ihre Urlaubsreise bangen. Es drohte der Konkurs und damit der Verlust der Anzahlungen. Jetzt können die Urlauber aufatmen, ihre Buchungen scheinen gesichert. Dafür garantiert nun eine neue Firma, die MP Touristik GmbH. Sie hat die MP Travel Line gepachtet, übernimmt Aufträge, Kunden und Kontakte und verkauft bereits neue Pauschalreisen unter dem veränderten Namen.

Das erst 1990 gegründete Unternehmen MP Travel hatte die Konkurrenz heftig ins Schwitzen gebracht. "Eine Woche Florida mit Mietwagen für nur 799 Mark" – für solche Billigofferten warben ganzseitige Zeitungsanzeigen und massenhaft verteilte Kataloge. Mit Erfolg. Der Branchenneuling verkaufte im letzten Jahr bereits Pauschalreisen für 130 Millionen Mark, vornehmlich in die Türkei, an die portugiesische Algarve und neuerdings auch nach Florida.

Dabei arbeitete das Unternehmen nicht immer mit seriösen Methoden. Mal forderte der Katalog die Urlauber auf, ihre Verträge mit anderen Veranstaltern zu kündigen; mal wurden den Reisenden hohe Rabatte angeboten, mal bei frühzeitiger Bezahlung eine kostenlose Reise in die Türkei versprochen. Das Wettbewerbsrecht erlaubt solche Werbung nicht.

Zwar brandmarkte die Konkurrenz die MP Travel Line als unseriös. Den Kunden war das jedoch egal, solange Preis und Leistung stimmten. Manche Reisende protestierten allerdings, als gebuchte Hotels an der türkischen Riviera belegt waren und Häuser aus den USA zwar im Katalog standen, jedoch keine Verträge mit MP Travel Line hatten. Bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft gingen über hundert Betrugsanzeigen ein.

Für den Deutschen Reisebüro Verband (DRV) ist die Lage klar. MP Travel sei ein typisches "schwarzes Schaf der Branche, rügt DRV-Präsident Otto Schneider. Doch Schneider ist nicht nur selbstloser Verbraucherschützer. Der Lobbyist fürchtet auch um seine Mitglieder, die Reisebüros. MP Travel verzichtete nämlich auf deren Dienste und verkaufte seine Pauschalangebote direkt per Telephon, den Reisebüros ging die Vermittlungsprovision flöten.

Ob der Wegfall des Zwischenhandels, der Verkauf von Restkapazitäten und das Zusammenlegen von Flügen die Reisen von MP Travel Line so verbilligen konnten, wie sie letztlich angeboten wurden, bezweifelt die Konkurrenz. Das Unternehmen bot seinen Kunden Verkaufspreise, die bis zu fünfzehn Prozent unter den Einkaufspreisen anderer Anbieter lagen. Den Vorwurf, daß eine falsche Kalkulation zur Finanzkrise geführt hat, weist Geschäftsführer Wolfgang Napirei aber scharf zurück. Er spricht von einer "Medienkampagne" der Konkurrenz, die eine Welle von Stornierungen ausgelöst habe.

Der Reiseverkauf am Telephon scheint jedoch weiterhin erfolgversprechend. Unter dem neuen Namen MP Touristik versucht nun ein ehemaliger Vertragspartner mit dem Direktmarketing Geld zu verdienen. Die neue Firma gehört zu achtzig Prozent Jürgen Nappe, dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden der Saarland Airlines. Zwanzig Prozent hält die Fluggesellschaft, die gut die Hälfte ihres Umsatzes mit Kunden der MP Travel Line machte. Durch die Übernahme werden nicht zuletzt die eigenen Maschinen weiterhin ausgelastet.

Dem Pachtvertrag waren lange Sitzungsnächte vorangegangen. Vor allem Saarland-Airlines-Gesellschafter Eugen Block befürchtet, daß seine Flugzeuge nun von anderen Reisegesellschaften gemieden werden. Durchgesetzt mit seinem Protest gegen das neue Geschäftsfeld hat er sich nicht. Branchenkenner vermuten, daß der mögliche Verlust aller MP-Kunden die Airlines noch stärker getroffen hätte.

Allerdings: Auch vergangene Woche gab es noch annullierte Flüge. Deshalb rät die Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen zur Vorsicht: Wer bei MP Travel Line eine Reise gebucht und noch nicht gezahlt hat, sollte zunächst die endgültige Klärung durch das Konkursgericht abwarten und den Reisepreis solange nicht überweisen. Wer seinen Urlaub ganz oder teilweise bezahlt hat, dem raten die Verbraucherschützer, sich die ordnungsgemäße Durchführung der Reise vom Veranstalter noch einmal bestätigen zu lassen. Wer schon die Reiseunterlagen in Händen hält, sollte sich bei der Fluggesellschaft und dem Hotel erkundigen, ob es mit Flug und Unterkunft klappt Wenn nicht, kann der Kunde die Reise kündigen – ohne daß Stornokosten fällig werden.

Für alle anderen bleibt der Rat, die Reise anzutreten, auch wenn man dabei das Risiko eingeht, am Urlaubsort mit Pannen rechnen zu müssen. Wem dies zu unsicher ist, der hat die Möglichkeit, die Reise jederzeit zu stornieren. Je früher, desto besser. Bis zum dreißigsten Tag vor Reiseantritt sind die Stornogebühren relativ günstig.

Petra Pinzler