London

John Major, auf der verzweifelten Suche nach einem Ausweg aus dem Labyrinth von Maastricht, ist in Alices Wunderland geraten, wo bekanntlich nichts ganz so ist, wie es scheint. Wer dagegen ist, mag dafür stimmen. Die Motive der Akteure liegen im dunkeln.

Und dann tauchen urplötzlich auch noch Perücken tragende Richter auf, die das Endspiel endgültig zur Farce machen könnten. Die Maastricht-Posse fügt sich nahtlos ein ins sommerliche Festival der Absurditäten, das die "Großen und Guten" des Landes den Briten nun schon seit Wochen bieten.

Da waren dreißig Menschen bei einem Bombenanschlag in Belfast verletzt worden, und Reporter baten Nordirlandminister Sir Patrick Mayhew, der gerade auf dem Weg zur Oper war, um eine Stellungnahme. Sir Patrick reagierte mit jenem Zynismus, den das britische Establishment gerne im privaten Umgang pflegt: "Nun, niemand ist tot", konstatierte er. Was auch noch falsch war, denn ein Bombenopfer erlag seinen Verletzungen.

Wenig später bewies Richard Needham, Staatsminister für Handel, daß auch er sich auf Zynismus versteht. Bei einer Unternehmensbesichtigung wußte er Trost für einen Farbigen, der sich über große Hitze und das Fehlen einer Klimaanlage an seiner Arbeitsstätte beklagte. "Deshalb sind Sie doch hier", meinte der Minister, "Sie sind doch besser an heiße Temperaturen gewöhnt."

Prinz Philip kann’s auch. Im leidgeprüften Städtchen Lockerbie, just in der Straße, in der elf Bewohner durch den Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren, erkundigte er sich, ob denn die Feuerwehr damals rechtzeitig erschienen sei. Ja, aber es habe an Wasser gemangelt, antwortete eine alte Frau, die bei der Katastrophe mehrere Angehörige verloren hat. Darauf der Herzog von Edinburgh: "Es heißt ja, nach einem Feuer sei der Wasserschaden das Schlimmste. Wir sind immer noch dabei, Windsor Castle trocken zu legen."

War es höhere Gerechtigkeit, daß ein Ordner beim Pferderennen von Royal Ascot Prinzessin Anne den Zutritt zur königlichen Tribüne verweigerte, weil sie sich nicht ausweisen konnte? Wer zum Kreis der "Großen und Guten" gehört, darf nicht mehr so ohne weiteres Respekt erwarten. John Major mußte sich denn auch die Frage gefallen lassen, ob die dürftigen achtzehn Prozent seiner Landsleute, die zu ihm stehen, noch ganz bei Tröste sind. Jürgen Krönig